Warum lehnen Menschen die gleichgeschlechtliche Liebe ab? Warum reagieren manche Menschen auf Homosexualität mit Angst oder Ekel? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Ulrich Dewald in
wissenschaft.de, der diverse Publikationen zu dem Thema und insbesondere einen Artikel von Rolf Degen in der Novemberausgabe von "bild der wissenschaft" zusammenfasst.
21,8 % der Deutschen lehnen Homosexualität in Umfragen als "unmoralisch" ab. Während das noch zum Teil nachvollziehbar ist, da ein Teil von ihnen in einer Zeit aufgewachsen ist, als homosexuelle Kontakte noch strafrechtlich verfolgt wurden und sie von der katholischen Kirche, aber auch von manchen anderen Religionsgemeinschaften nach wie vor als "Sünde" qualifiziert werden, gibt der Ekel, den manche Menschen vor allen vor Schwulen empfinden und die oft agressive Homophobie der Wissenschaft Rätsel auf.
Schon Freud wies darauf hin, dass Menschen, die Homosexualität verteufeln, oft nur gegen eigene Impulse ankämpfen. Dafür gibt es prominente Beispiele, wie den US-amerikanischen Prediger Ted Haggard. Auch die Tatsache, dass homophobe Männer im Laborversuch auf homoerotische Fotos oder Filme öfter sexuell erregt reagieren als nicht homophobe, ist schon länger bekannt.
Verdrängung reicht als Erklärung für Homophobie aber nicht aus. Laut dem amerikanischen Psychologen Gregory M. Herek, Mitherausgeber des Buches Hate Crimes: Confronting Violence against Lesbians and Gay Men (1992), gibt es Vorbehalte gegen Homosexuelle vor allem bei älteren Menschen mit niedrigem Bildungsstand, bei Menschen mit starkem Bezug zu Religion und bei Menschen, die keinen Kontakt zu Schwulen oder Lesben haben. Jüngere Männer sollten lockerer im Umgang mit Schwulen sein, denkt man. Dennoch finden sich gerade unter jungen heterosexuellen Männern immer wieder welche, die Schwule nicht nur heimlich verachten, sondern auch tätlich angreifen. Die einzige Erklärung, die der Harvard Mediziner Marshall Forstein bisher dafür gefunden hat, ist Neid, nämlich das Gefühl, dass da jemand anderer glücklicher sei.
Ekelgefühle treten anscheinend bei konservativen Menschen generell häufiger auf als bei liberalen. Der Ekel vor schwulem Sex und damit auch vor schwulen Männern ist nur eine somit "logische" Spielart davon.
Adrian nennt in seinem Blog Gay West noch einen weiteren naheliegenden Grund, der in dem Artikel von Ulrich Dewald nicht vorkommt: die Statistik. Da Schwule und Lesben eine kleine Minderheit sind, haben sie von Kindheit an viel mehr Übung im Umgang mit heterosexuellen Menschen als umgekehrt. Sie lernen daher auch schon als Kinder, dass Heterosexualität etwas völlig Normales ist. Für einen Hetero, der in einer heterosexuellen Welt aufwächst, ist es völlig normal sich zu wundern, wenn er auf einmal darauf stößt, dass es doch tasächlich Menschen gibt, die nicht so lieben wie er selbst. Dass es dann zu Gefühlen der Fremdheit, zu Vorurteilen oder gar der Aversion kommen kann, kommt Adrian denn auch nicht unbedingt ungewöhnlich vor.
Links: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/307854.html?page=2
http://gaywest.wordpress.com/2009/10/24/auf-dass-peter-und-gabriel-auch-morgen-noch-freunde-sind/
http://de.wikipedia.org/wiki/Ted_Haggard
http://www.zeit.de/2006/47/Ted-Haggard
Ich stimme zu, daß dort wahrlich noch genug zu tun ist. Wenn ich Wikipedias sehr unpräzise Angabe von 1-10% Prozent Anteil der Homosexuellen an der Gesamtbevölkerung nehme, müßte ich eigentlich mit manchem Homosexuellen zumindest flüchtig bekannt sein. Tatsache ist aber, daß ich bisher keine einzige homosexuelle Person kennengelernt habe. Nicht ein offen homosexueller an meiner Schule, unter meinen Lehrern in der Nachbarschaft, und auch an der Universität wüßte Ich zumindest von keinen.
Das bedeutet doch wohl, daß ein sehr großer Prozentsatz sich nicht offen zur Homosexualität bekennt, vielleicht nichtmal sich selbst gegenüber.
Das Problem, daß Ich jetzt hier sehe, ist folgendes: Homosexuelle sind eine Minderheit, Homosexuelle sind eine im privaten Umfeld der meisten Menschen unterrepräsentierte Minderheit, und es fehlt an dem Ausgleich diesen Mangels an Umgang, wie er wohl auch bei genug anderen Minderheiten fehlt; was Ich sagen möchte: Kinder lernen Homosexualität und Heterosexualität nicht als gleichwertig kennen.
Ich kenne keine einzige Fernsehsendung für Kinder, in der Homosexualiät in irgendeiner Weise thematisiert würde. Weder die Eltern der Protagonisten, noch die Protagonisten selbst, noch andere Figuren im auf Kinder ausgerichteten Fernsehen. Ebenso mit Kinderbüchern (wobei es gerade it zunehmendem ALter der Zielgruppe Ausnahmen gibt).
Das spiegelt, glaube Ich, auch die Einstellung wider, die ein Teil der Deutschen, der bestimmt 21% übersteigt, gegen Homosexualität hat: tolerieren ja, schließlich ist man weltoffen und liberal, aber als der Homosexualität gleichwertig akzeptieren und den Kindern, die ja von allen Menschen am leichtesten negativ zu beeinflussen sind, als ebenso richtig wie eine heterosexuelle Sexualität darzustellen, das wird abgelehnt. Nicht unbedingt offen, aber doch ersichtlich.
Ich erinnere mich, daß mein kleiner Bruder, als er sechs war, meiner noch jüngeren Schwester erzählt hat, eine Frau könne keinen Mann heiraten,d er jünger als sie ist. Das hat ihm, soweit ich weiß, niemand erzählt, er hat beobachtet, daß üblicherweise in heterosexuellen Beziehungen das ALter des männlichen Partner das des weiblichen übersteigt. Und daraus geschlossen, daß alles andere verboten sei (daß er so einen Schluß zieht - daß etwas gleich verboten sei, auch das läßt Rückschlüsse auf Kindererziehung und der Begegnung des Kindes mit der Gesellschaft ziehen; man sollte doch vielmehr lernen, daß alles, was nicht verboten ist, was nicht sinnvoller Weise verboten ist, erlaubt ist.).
So, jetzt ist das ein langer Kommentar geworden. Was Ich im Kern sagen wollte: Mehr Homosexualität in Kindersendungen. Weniger Scheuklappen für heterosexuelle Eltern. Und Weltfrieden, wenns Gelegenehit gibt.