Florida - Immer absurdere Begründungen muss sich der Vertreter des US-Bundesstaates Florida einfallen lassen, um die den gesetzlichen Ausschluss von Schwulen und Lesben aus dem Kreis möglicher Adoptiveltern zu rechtfertigen. Die neueste Variante: Sie können als Gruppe ausgeschlossen werden, weil sie angeblich höhere Raten an häuslicher Gewalt, psychischen Störungen, Trennungen und Suizidraten aufweisen.
Florida ist der einzige Bundesstaat der USA, in dem homosexuelle Personen generell nicht adoptieren dürfen. Das entsprechende Gesetz geht auf die "Save Our Children" Kampagne der damals sehr populären Ex-Schönheitskönigin und Sängerin Anita Bryant zurück, die Schwule mit Pädophilie verband.
Schwule und Lesben sind die einzige Bevölkerungsgruppe, die im Gesetz per se als unfähig zu adoptieren erklärt wird. Bei heterosexuellen Personen sind weder Vorstrafen noch Drogensucht oder schwere Erkrankungen generelle Ausschließungsgründe, sondern die Eignung wird im Einzelfall geprüft.
Im November 2008 fand die Richterin Cindy Lederman vom zuständigen Familiengericht in Dade-County, dass das Gesetz irrational ist und bewilligte den Adoptionsantrag von Frank Martin Gill, den dieser 2006 gestellt hatte, da er zwei Kindern, die er 2004 im Alter von 4 Jahren bzw. 4 Monaten in Pflege bekommen hatte, mehr Sicherheit und ein stabiles Heim geben wollte.
Die Fürsorgemitarbeiter_innen hatten die Adoption befürwortet, da sie sich im Laufe der Pflegeelternschaft davon überzeugen konnten, dass Gill und sein Partner gut für die beiden Kinder sorgen und es den Halbgeschwistern, deren Eltern schon 2006 für ungeeignet erklärt worden waren, bei ihnen gut ging.
Auch der Vertreter des Staates Florida, dem es obliegt, das bestehende Gesetz zu verteidigen, hatte gegen Gill und seinen Partner nichts einzuwenden. Es steht unstrittig fest, dass er als Erziehungsberechtigter hervorragend geeignet ist und dass die Adoption im besten Interesse der Kinder wäre. Dennoch behauptete er im Verfahren, dass Schwule und Lesben als Gruppe zu Recht vom Adoptionsrecht ausgeschlossen werden können, weil sie "höhere Raten häuslicher Gewalt, psychischer Erkrankungen und Trennungen" aufwiesen.
Im Berufungsverfahren wird nun behauptet, dass homosexuelle Menschen unter höheren Suizidraten litten und ihre Kinder Diskriminierung und höherer sexueller Aktivität (!) ausgesetzt sein können.
Die "Studien" aus denen der Solicitor General diese angeblichen Fakten bezieht, stammen von George E. Rekers und Walter R. Schumm, deren Forschungsergebnisse von Fachkolleg_innen höflich als "nicht dem Mainstream des Fachgebiets entsprechend" bezeichnet werden und die bereits mehrfach zugegeben haben, dass sie ihre wissenschaftliche Tätigkeit dazu nützen, "das Wort Gottes zu verbreiten".
Wie auch immer die Entscheidung des Berufungsgerichts ausgeht, ist damit zu rechnen, dass die unterlegene Seite berufen wird und der Fall beim Florida Supreme Court landen wird.
Links: http://blogs.miaminewtimes.com/riptide/2009/08/state_argues_for_gay_adoption.php State Argues For Gay Adoption Ban Because Homosexuals Can Be Sick in the Head
http://www.law.com/jsp/article.jsp?id=1202433375336 In Fla. Adoption Case, State Argues Gays Prone to Mental Illness, Breakups
http://blogs.miaminewtimes.com/riptide/2008/11/state_uses_bad_science_to_back.php State Uses Bad Science To Back Its Bad Gay Adoption Ban
http://www.miamiherald.com/486/story/774739-p2.html Experts clash on gays' bids to adopt children
http://www.dailybusinessreview.com/images/news_photos/57030/Trial_Court_Ruling.pdf (erstinstanzliche Entscheidung)
http://serendip.brynmawr.edu/sci_cult/courses/knowbody/f04/web3/cphillips.html Hintergrundinformationen zur Geschichte des Adoptionsrechts in Florida