Saturday, 30. May 2009
Stille LesBiSchwule Revolution unter Obama?
Einen Teil dieser "stillen Revolution" (im Gegensatz zur seinerzeitigen Stonewall revolution, bei der es lautstark und zum Teil auch gewalttätig zuging) hat Obama freilich nicht zu verantworten. Die Öffnung der Ehe in Massachusetts vor fünf Jahren war vor seiner Amtszeit und auch bei den Entscheidungen zugunsten eines gleichberechtigten Zugangs zur Ehe in Connecticut, Vermon, Iowa, Maine und New Hampshire war er der Präsident der Vereinigten Staaten nur Zuschauer.
Aber es geht nicht nur ums Heiraten, schreibt Walters. Zwei offen lesbische Frauen waren für die freiwerdenden Sitz im Verfassungsgericht im Rennen, und Präsident Obama hat mehr als dreißig Schwule und Lesben für hohe Ämter in seiner Regierung bestimmt. Die Politik-Kommentatorin Rachel Maddow hat den amerikanischen Präsidenten vor kurzem aufgefordert, sein Versprechen einzulösen und das Verbot offener Homosexualität bei der Armee zu kassieren. Ihrer Ansicht nach gab es keinen großartigen Wendepunkt, an dem die Entwicklung zugunsten Homosexueller umgeschlagen habe, vielmehr handele es sich um einen täglichen Kampf, der über die vergangenen vierzig Jahre zu einem enormen Erfolg geführt habe und dessen Grundlage im Outing von immer mehr Menschen bestehe.
Obama ist aus persönlicher religiöser Überzeugung dafür, dass die Bezeichnung "Ehe" nur für die Beziehung zwischen Mann und Frau gelten soll und weist im übrigen darauf hin, dass die Ehegesetzgebung Sache der Bundesstaaten ist. Beim Versuch, es allen Recht zu machen, setzt er manchmal verwirrende Signale, so, als er zur feierlichen Amtseinführung den schwulenfeindlichen Prediger Rick Warren beten ließ und den offen schwulen Bischon Gene Robinson bei einer Veranstaltung davor. Seine Zögerlichkeit hinsichtlich der Abschaffung der "don't ask don't tell" Politik, die heuer schon über 200 schwule und lesbische Soldat_innen den Job gekostet hat, darunter einigen hochrangigen und hochqualifizierten Offizier_innen werfen ihm viele Aktivist_innen vor, ebenso sein konsequentes Schweigen zu Fragen der gleichgeschlechtlichen Ehe und über das Bundesgesetz "DOMA" (Defense of Marriage Act), das die Anerkennung von bereits geschlossenen gleichgeschlechtlichen Ehen und eingetragenen Partnerschaften auf Bundesebene untersagt und dessen Außerkraftstetzung er im Wahlkampf versprochen hatte.
Dennoch ist Obama der annerkannt schwulen- und lesbenfreundlichste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Das zeigt sich an Kleinigkeiten, wie der Tatsache, dass er erstmals Regenbogenfamilien zum traditionellen Ostereiersuchen in den Park des Weißen Hauses eingeladen hat oder dass er die geoutete Lesbe Wanda Sykes als Rednerin zu einem formellen Dinner einlud. Obama war auch der erste Präsident, der in seiner Inaugurationsrechte Lesben- und Schwulenrechte erwähnte. Jetzt fehlt nur noch, dass er sich auch um ihre Durchsetzung kümmert. Dann könnte das Jubiläumsjahr der Stonewall-Revolution und des Woodstock Festivals wirklich ein goldenes Zeitalter für LGBT-Rechte werden, wie David Carter, der Autor des Buches "Stonewall" es formulierte. Quelle: The Observer vom 24. Mai 2009
Hinweis: Die New York Public Library veranstaltet heuer im Juni aus Anlass von 40 Jahre Stonewall eine Sonderausstellung mit dem Titel: 1969: The Year of Gay Liberation.
BBC plant eine größere Radio-Dokumentation über Stonewall.
Das Buch "Stonewall: The Riots that Sparked the Gay Revolution" von David Carter kann in der Buchhandlung Löwenherz bestellt werden. (Taschenbuch ca. 16,- Euro)
Links: http://www.freitag.de/politik/0921-obama-homosexuelle-usa-schwule-lesben-?p=2
http://www.guardian.co.uk/world/2009/may/24/gay-rights-barack-obama-us
http://www.nypl.org/press/releases/?article_id=288
http://us.macmillan.com/stonewall
http://www.loewenherz.at


