Nach drei Wochen Europride 2009 in Zürich und eine Woche vor der Europride Parade am 6. Juni ziehen drei Aktivist_innen im Gespräch mit der WOZ eine Zwischenbilanz. Sind Lesben, Schwule und Transgender in der Mitte der Gesellschaft angekommen?
Zürich hat mit Corine Mauch eine offen lesbische Stadtpräsidentin, es gibt einen schwulen Offiziersverein, Lesben und Schwule sind viel weiter als zur Zeit der Stonewall Revolution 1969. Es gibt aber immer noch Diskriminierung in der Privatwirtschaft und manchen Verwaltungsabteilungen, homophobe Gewalt und viele Leute, die überzeugt sind, keinen Schwulen und keine Lesbe zu kennen - außer vielleicht aus dem Fernsehen.
"Wohl darf man heute «ganz normal schwul oder lesbisch» sein, man darf
ein klarer Mann sein, der mit einem klaren Mann zusammenlebt. Das ist
aber noch lange nicht die Anerkennung, dass es mehr als zwei
Geschlechter gibt. Die würde ich mir wünschen", sagt Alecs Recher, Transmann und Mitorganisator von Europride 2009.
Für Jugendliche ist das Coming-out heute einerseits leichter geworden, weil es Vorbilder und mehr Informationen gibt, andererseits gibt es auch mehr homophobe Sprüche, die abschrecken. Schulprojekte wie GLL und Hallo Welt! bieten Aufklärung und persönliche Kontakte an.
Die Medien berichten einerseits viel öfter und umfangreicher über LGBT-Events und Anliegen, aber verbreiten dabei nach wie vor oft Stereotype, besonders mit ihren Bildern von aufgedonnerten Drag Queens. Drag Queens standen im Zentrum der Stonewall Revolution und die LesBiSchwulTranse Befreiungsbewegung hat ihnen viel zu verdanken, aber durch die einseitige Berichterstattung wird die Vielfalt der Community unterdrückt.
Das Verhältnis zwischen Feministinnen und Queers ist in Zürich entspannt, reine Frauenräume werden immer weniger für notwendig gehalten, männliche Begleitung immer öfter auch bei Frauen/Lesben-Events zugelassen. Dazu hat der gemeinsame Kampf um das Partnerschaftsgesetz viel beigetragen.
Der rechtliche Kampf der nächsten Jahre wird sich auf die Gleichstellung bei der Adoption und auf Verbesserungen für Transgender konzentrieren. Derzeit ist eine geschlechtsanpassende Operation für die Änderung es Personenstandes und in etlichen Kantonen sogar für die Änderung des Vornamens nötig. Quelle: WOZ vom 28. Mai 2009
Link: http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2009/nr22/Schweiz/17961.html