Wien - Die Universität Wien zeichnet den südafrikanischen Theologen und Friedensnobelpreisträger Bischof Desmond Tutu mit der Ehrendoktorwürde für seine Leistungen um die Begründung und Entwicklung der Ubuntu-Theologie, bekannt auch als "Public Theology", aus. Neben seinen Leistungen als Theologe und Kämpfer für den Frieden setzt Tutu sich auch für die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen ein.
Die akademische Feier findet am 12. Juni 2009 um 11 Uhr im großen Festsaal der Universität Wien statt.
Aus der Ankündigung der Universität Wien:
Dr. Desmond Tutu, geb. 1931 in Südafrika, ist einer der weltweit bedeutendsten Theologen, der die klassische Befreiungstheologie weiterentwickelt und als "public theology" international etabliert hat. Tutus Wirken hat nicht nur im Post-Apartheid-Südafrika sondern international ein enormes Echo gefunden. Sein Buch "God has a Dream" (New York 2004), in dem Desmond Tutu die Grundzüge seiner Theologie darlegt, wurde in zahlreiche europäische Sprachen und darüber hinaus ins Russische und Chinesische übersetzt. An verschiedenen theologischen Fakultäten sind Institute, Departments und Forschungsplattformen für "public theology" entstanden. Darüber hinaus hat Desmond Tutu seine Theologie auch in der Lehre als Gastprofessor in England und den USA verbreitet. Die Universität Wien verleiht auf Antrag der Evangelisch-Theologischen Fakultät Desmond Tutu für seine außerordentliche Leistung um die Begründung und Entwicklung der Ubuntu-Theologie den "Doktor der Theologie honoris causa".
Ubuntu – eine afrikanische Lebensphilosophie
Desmond Tutu hat die Ubuntu-Theologie im Kontext des südafrikanischen Apartheid-Regimes (1948-1990) vor dem kolonial-europäischen theologischen Hintergrund der Dominanz der Weißen entwickelt und konnte sie im Zuge seiner Arbeit als Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission entfalten. Das Wort Ubuntu, das aus der südafrikanischen Nguni-Sprache kommt, lässt sich mit Begriffen wie "Menschlichkeit" und "Gemeinsinn" umschreiben. Ubuntu ist zunächst eine afrikanische Lebensphilosophie und beschreibt das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist. Sie beruht auf einer Grundhaltung, die sich auf wechselseitigen Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und das Bestreben nach einer harmonischen und friedlichen Gesellschaft stützt. Desmond Tutu hat die Grundeinsichten dieser afrikanischen Lebensphilosophie in die Theologie integriert.
Desmond Tutu HIV Foundation
Aktuell kämpft Desmond Tutu für die Gleichberechtigung Homosexueller und gegen die Ausbreitung von HIV und der AIDS-Epidemie in Südafrika, wobei ihm die Sorge um AIDS-Waisenkinder ein besonderes Anliegen ist. Für diese setzt er sich mit seiner "Desmond Tutu HIV Foundation“ ein, zu deren Gunsten ein Benefizkonzert veranstaltet wird.
GGG.at erwähnt außerdem, dass Desmond Tutu konservative anglikanischen Bischöfe in Afrika kritisierte, die gegen Schwule und Lesben hetzen.
Ernennung zum Ehrendoktor
Zeit: Freitag, 12. Juni 2009, 11 Uhr
Ort: Großer Festsaal der Universität Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien
Am Samstag, dem 13. Juni um 17 Uhr findet in der Lutherischen Stadtkirche, Dorotheergasse 18, 1010 Wien ein Benefizkonzert zugunsten der Desmond Tutu HIV-Foundation statt. Beide Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich.
Links: http://public.univie.ac.at/index.php?id=6576&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=9783
http://www.ggg.at/index.php?id=62&tx_ttnews[tt_news]=2058
http://www.stadtkirche.at/