Tiflis - Am internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie wurden georgische Schwule und Lesben bei ihrer ersten Demonstration für mehr Rechte in der Geschichte des Landes von christlichen Aktivist_innen beschimpft und tätlich angegriffen. (
QueerNews.at berichtete.) Dies brachte ihnen nicht nur erstmals die Aufmerksamkeit internationaler Medien, sondern auch Solidaritätsbekundungen von Vertreter_innen ausländischer Botschaften, diverser NGOs und sogar der georgischen Regierung. Aber auch die Gegner_innen werden immer aktiver und brutaler. Das geht von politischen Forderungen eines Verbots gleichgeschlechtlicher Ehen im Verfassungsrang bis zu Facebookgruppen, in denen darüber diskutiert wird, was die beste Methode ist, Schwule und Lesben umzubringen.
Die Osteuropa- und Nahostkorrespondentin Haley Sweetland Edwards hat sich in Tiflis mit Aktivist_innen der LGBT-Rechts-Gruppe Identoba und einer Frauenrechtsgruppe getroffen und darüber gesprochen, wie es ihnen angesichts dieser Entwicklungen geht. Sie sehen es als Erfolg an, dass ihre Anliegen endlich wahrgenommen werden, aber der Backlash macht Angst. Unter anderem musste Identoba bereits mit dem Vereinsbüro übersiedeln, weil die Nachbarn ihnen klarmachten, dass sie nicht mehr willkommen sind.
Das 1933 unter Stalin eingeführte strafrechtliche Verbot männlicher homosexueller Beziehungen wurde erst 2000 abgeschafft, als Georgien sich um den Beitritt zum Europarat bemühte. 2006 wurde das Verbot von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung im Arbeitsverhältnis Gesetz. Während die georgische Regierung aufgrund ihrer Bemühungen um gute Beziehungen zu EU, Europarat und den Vereinigten Staaten einige Gesetzesinitiativen zur Beendigung der Diskriminierung unternahm, haben Opposition und Orthodoxe Kirche die Bekämpfung von LGBT-Rechten als Wahlkampfthema entdeckt. Vor den Parlamentswahlen im Herbst und den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr ist also noch mit einer Verschärfung der LGBT-feindlichen Propaganda zu rechnen. Bei einer 2009 durchgeführten Meinungsumfrage sagten 91,5 Prozent der befragten Bürger_innen, dass Homosexualität "nie zu akzeptieren" sei.
A Backlash in Georgia
von: Haley Sweetland Edwards
in New York Times / International Herald Tribune vom 14. Juni 2012
Link: http://latitude.blogs.nytimes.com/2012/06/14/progress-by-georgias-gays-spurs-a-backlash/
Weitere Links zum Thema: http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-18109022
http://www.amnesty.org/en/news/virulent-homophobic-attacks-put-south-caucasus-activists-risk-2012-05-18
http://en.wikipedia.org/wiki/LGBT_rights_in_Georgia
http://www.queernews.at/archives/3061
http://www.eurasianet.org/node/62902
http://identoba.com/ (auf Georgisch)
http://identoba.org/ (auf Englisch)
http://latitude.blogs.nytimes.com/author/haley-sweetland-edwards/