Der us-amerikanische Psychiater Robert L. Spitzer hat im Gespräch mit dem Herausgeber der Webausgabe von "The American Prospect", Gabriel Arana, gesagt, dass er seine 2001 entstandene und 2003 in den Archives of Sexual Behavior publizierte Studie über vermeintliche Erfolge der sogenannten Reparative Therapy zurückzieht. Die Kritiker der Studie haben größtenteils Recht, gab der heute 80-jährige emeritierte Professor der Columbia University zu, die Ergebnisse zeigten nur, was manche Menschen, die eine solche Theraphie gemacht haben, darüber sagen, nicht mehr. Von Vertreter_innen der Ex-Gay Bewegung war Spitzers Studie immer als Beleg dafür herangezogen worden, dass die Veränderung der sexuellen Orientierung möglich ist, wenn man sich nur genügend anstrengt.
Spitzer war in seiner Funktion als Vorsitzender der Arbeitsgruppe für die Herausgabe des Diagnose-Handbuchs der American Psychiatric Association (APA) maßgeblich dafür verantwortlich, dass Homosexualität 1973 aus der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen wurde. Als er 2001 bei einer APA-Tagung über Ergebnisse seiner Studie referierte, die zeigte, dass die heftig umstrittene Reparative Therapie von manchen Patient_innen als erfolgreich angesehen wurde, überraschte er damit viele. Die Studie wurde 2003 unter dem Titel "Can some gay men and lesbians change their sexual orientation? 200 participants reporting a change from homosexual to heterosexual orientation" in der Zeitschrift Archives of Sexual Behavior (Vol. 32, No. 5, Oct. 2003, pp. 403-417) veröffentlicht.
Kolleg_innen kritisierten daran vor allem die Auswahl der Teilnehmer_innen und die Tatsache, dass die angeblich eingetretene Veränderung der sexuellen Orientierung nicht anhand objektiver Kriterien, sondern nur durch die persönliche Einschätzung der Teilnehmer_innen beurteilt wurde. im Gespräch mit dem Journalisten Arana sagte Spitzer, ihn hätte das Thema damals gereizt, weil es so kontroversiell war. Nach der damals (und heute) in der Fachwelt vorherrschenden Meinung war die sexuelle Orientierung unveränderbar und nicht therapierbar. Spitzer ging es darum, den Absolutheitsanspruch dieser These zu hinterfragen und zu widerlegen. Dafür reicht an sich schon ein einziger Fall einer erfolgreichen Umorientierung weltweit.
Von den Proponent_innen der Ex-Gay Bewerung und Befürworter_innen der Therapierung von Homosexualität wurden Spitzers Ergebnisse freilich immer als Argument dafür verwendet, dass Therapie möglich und sinnvoll ist, auch wenn zahlreiche Studien und die Erfahrungen von Beratungsstellen bewiesen haben, dass der Versuch, die sexuelle Orientierung zu therapieren, im besten Fall sinnlos ist und in vielen Fällen großen Schaden anrichtet. Robert Spitzer hatte sich schon in der Vergangenheit gegen eine zu großzügige Auslegung seiner Studienergebnisse gewandt - erfolglos, denn er wurde weiterhin so zitiert. Ob die nun offizielle Zurückziehung daran etwas ändern wird, wird sich zeigen. Quelle: The American Prospect vom 11. April 2012
Links: http://prospect.org/article/my-so-called-ex-gay-life
http://wthrockmorton.com/2012/04/11/robert-spitzer-retracts-2001-ex-gay-study/
http://www.boxturtlebulletin.com/2012/04/11/43525
http://www.truthwinsout.org/blog/2012/04/24187/
http://www.truthwinsout.org/blog/2012/04/24193/
http://www.truthwinsout.org/blog/2012/04/24197/