Der frühere Staatspräsident Südafrikas Thabo Mbeki sprach sich bei einem Aufenhalt in Uganda öffentlich gegen die dort seit einigen Jahren diskutierte Strafverschärfung gegen homosexuelle Kontakte (bekannt als "Kill the Gays Bill, da für "Wiederholungstäter" und für "erschwerte Homosexualität" die Todesstrafe vorgesehen ist) aus.
"Ich würde dem Abgeordneten sagen, dass die sexuelle Präferenz eine private Angelegenheit ist und dass es eine Angelegenheit ist, bei der der Staat nicht eingreifen sollte," antwortete Mbeki auf die Frage, was er dem Proponenten des Gesetzesentwurfs, David Bahati, sagen würde. Er ging dabei auch auf das Argument ein, dass Homosexualität der afrikanischen Kultur widerspreche und brachte den Vergleich zur Apartheit in Südafrika. Unter den Gesetzen der Apartheid waren sexuelle Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe verboten. Der "Immorality Act" gab der Polizei die Handhabe, in die Schlafzimmer der Menschen einzudringen und sie vor Gericht zu zerren. "Was wollen Sie? Ich meine, es ergibt keinerlei Sinn. Das würde ich dem Abgeordneten sagen. Was zwei Erwachsene einvernehmlich tun, ist wirklich keine Sache des Staates" fügte der Staatsmann hinzu.
Die Äußerungen Mbekis fielen im Rahmen einer öffentlich zugänglichen Podiumsdiskussion am Makerere Institute of Social Research (MISR) über Afrika nach dem Kalten Krieg. Auf die Situation von Schwulen und Lesben wurde er von der Wissenschaftlerin Sylvia Tamale angesprochen. Die in Afrika und den USA ausgebildete Juristin und Soziologin Tamale ist Dekanin der juridischen Fakultät der Makerere Universität in Kampala und durch ihre feministischen Publikationen auch weltweit bekannt. Sie hat 2003 unter anderem einen Artikel über den Diskurs über Homosexualität in Uganda geschrieben.
Der Botschafter Ugandas in den USA hat kürzlich ungehalten reagiert, als er auf den von bereits vor längerer Zeit von David Bahati eingebrachten Gesetzesentwurf angesprochen wurde. "Das Gesetz ist tot und - entgegen weit verbreitetem Irrglauben - wird es im Parlament nicht mehr behandelt werden," teilte der Diplomat US-Medien mit. Der Erklärung war ein kleiner Eklat vorausgegangen, als Botschafter Kamunanwire zunächst als Gastredner zu einer Veranstaltung am Martin Luther King Tag (16. Jänner) eingeladen worden war und dieEinladung ausschlug, nachdem sich herausstellte, dass er dort möglicherweise auf die Menschenrechtssituation von Schwulen und Lesben in seinem Heimatland angesprochen würde.
David Bahati kämpft allerdings weiterhin um sein in der vorigen Legislaturperiode eingebrachtes Gesetz. Der ugandischen Tageszeitung Daily Monitor sagte er, in seinem Gesetzesentwurf ginge es darum, Misstände wie die Verführung und Finanzierung von Homosexualität einzudämmen. "Seine Exzellenz (Mbeki) sollte das Gesetz lesen und den Geist und die Zusammenhänge dahinter verstehen," sagte er dem Monitor. Quelle: Daily Monitor vom 22. Jänner 2012
Links: http://www.monitor.co.ug/News/National/-/688334/1311462/-/b1hed6z/-/index.html
http://www.boxturtlebulletin.com/2012/01/23/41201
http://www.gaystarnews.com/article/kill-gays-bill-dead-says-ugandan-ambassador
http://www.ugandapicks.com/2012/01/uganda-ambassador-to-us-reject-for-anti-gay-claims.html
http://www.feministafrica.org/index.php/out-of-the-closet
http://en.wikipedia.org/wiki/Thabo_Mbeki
http://en.wikipedia.org/wiki/Sylvia_Tamale
http://en.wikipedia.org/wiki/Mlk_day