Unser Computer weiß mehr über uns und unsere Interessen als unsere nächsten Angehörigen und er wird es ganz sicher zur unpassendsten Gelegenheit verraten. Ein Londoner Teenager musste das vor kurzem erleben. Als er vom Einkaufen heimkam, warfen ihn seine Eltern hochkant aus der Wohnung. Ihre Begründung: Er ist schwul. Herausgefunden hatten sie es aufgrund der Annoncen, die im Facebook-Profil des jungen Mannes eingeblendet waren.
Der Junge wusste, wie homophob seine Eltern sind und hat sein Facebook-Profil sehr neutral gehalten. Er hat auch darauf verzichtet, in schwulen Datingseiten oder Foren zu posten. Aber er hat natürlich solche Seiten angeschaut und das spiegelte sich in seinem Werbeprofil wider. Privacy International, die den Fall publik gemacht hatten, werfen Facebook vor, dass die Annoncen gegen den Willen des Jungen und ohne Vorwarnung geschaltet wurden.
Dies wird von Facebook zurückgewiesen. Die "Informationen" würden nur eingeloggten Mitgliedern gezeigt, in dem bedauernswerten Fall gehe es "um widerwärtige Diskriminierung und den nicht autorisierten Zugang zu einem Account, nicht um Werbung", zitiert Huffington Post aus einer Stellungnahme.
Das eine wie das andere geht meiner Meinung nach am Thema vorbei. Natürlich ist Facebook nicht für homophobe Eltern verantwortlich. Natürlich hat Facebook die Annoncen nicht gezielt ausgewählt, um den Jungen zu outen. Wahrscheinlich wäre nichts passiert, wenn er daran gedacht hätte, sich auszuloggen oder den Browser zu schließen. Aber Facebook hat auch nichts getan, um dem Jungen (und allen anderen Userinnen und Usern) den Einfluss auf die gezeigte Werbung zu erleichtern oder auch nur zu erklären, wie der Mechanismus funktioniert. Und dies liegt sehr wohl im Interesse des Unternehmens, denn Facebook wird durch Werbung finanziert.
Links: http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2012/01/16/der-werberubikon-ist-ueberschritten.aspx (Nimmt den Fall des Londoner Teenagers zum Anlass, allgemein über gezielte Werbung im Internet zu diskutieren.)
https://www.privacyinternational.org/blog/how-facebooks-targeted-advertising-destroyed-life-young-man
http://unicornbooty.com/blog/2012/01/11/gay-teen-inadvertently-outed-by-facebook-targeted-ads/
http://www.huffingtonpost.com/2012/01/11/facebook-targeted-advertising-gay-teen_n_1200404.html
http://www.saferinternet.at/themen/datenschutz/ gibt viele wichtige Datenschutztipps, aber einige möchte ich ergänzen:
- bei Webforen nie "automatisch anmelden" auswählen, auch wenn es bequem ist
- Passwörter nicht speichern, irrtümlich doch gespeicherte Passwörter löschen
- die Browserhistory/Chronik möglichst kurz einstellen und regelmäßig löschen
- Cookies regelmäßig löschen
- das automatische Ergänzen von Formulardaten im Browser deaktivieren
- aus Foren, Facebook usw. ausloggen, wenn man den PC verlässt. (Das hat natürlich auch Nachteile, so werden in vielen Foren noch ungelesene Beiträge als "gelesen" markiert, wenn man sieh aus- und neu einloggt.)
- wenn möglich, den Bildschirmschoner so einstellen, dass er nach einer bestimmten Zeit den Bildschirm sperrt und nur gegen Passworteingabe wieder zugänglich macht
- am Arbeitsplatz auch in der Mittagspause oder zu anderen "erlaubten" Zeiten nur unverfängliche Seiten (orf.at, standard.at, sonstige Tageszeitungen) anschauen
- Ad-Blocker und/oder NoScript benützen
- dreimal überlegen, bevor man Zugangsdaten mit dem Partner/der Partnerin, Familienangehörigen oder guten Freund_innen teilt