Sunday, 27. November 2011
Die Homoehe als feministische Verschwörung
Aber immer der Reihe nach. Eine "feministische Ehe" definiert Usher als eine Ehe zwischen zwei Frauen und dem Wohlfahrtsstaat als drittem Partner. Die Frauen müssen nicht lesbisch sein, auf die sexuelle Orientierung kommt es nicht an. Schließlich habe die Feministin Sheila Cronin schon 1988 postuliert, dass jede Frau gewillt sein muss, als Lesbe identifiziert zu werden, um als Feministin zu gelten. [1] Ist die Ehe zwischen zwei Frauen erst einmal rechtlich möglich, dann werden auch heterosexuelle Freundinnen oder Zimmergenossinnen heiraten. Sie brauchen einander ja nicht treu zu sein und werden trotz Ehegelübde immer wieder Techtelmechtel mit Männern haben. Daher werden sie Kinder bekommen und daraus erwachsen ihnen Einkommensquellen. Denn sie haben Anspruch auf (unversteuerte) Alimente von den Kindesvätern und Anspruch auf Sozialhilfe des Staates. Ein Frauenpaar verfügt daher meist über vier Einkommen, zwei davon unversteuert, rechnet Usher vor, und es habe als Reserve noch die staatliche Sozialhilfe (welfare).[2]
Eine Ehe zwischen Mann und Frau verfügt hingegen über nur zwei Einkommen und beide müssen versteuert werden. Über die Steuern finanzieren die Ehepartner die Sozialhilfe und damit den Lebensstandard der Frauenpaare. Frauen werden daher lieber Frauen als Männer heiraten. Außerdem haben sie in einer Frauenehe auch sexuelle Freiheit, die ihnen ein Ehemann nicht zugestehen würde. Die Männer bleiben übrig und stehen nicht nur außerhalb der Ehe, sondern dadurch auch außerhalb der Gesellschaft.
Noch ärmer sind die Männerpaare dran. Sie müssen erstens Alimente für ihre unehelichen Kinder zahlen, zweitens finanzieren sie mit ihren Steuern die "feministischen Ehen" der Frauen. Und drittens können sie sich ihren eigenen Kinderwunsch nur mit beträchtlichem finanziellem Aufwand für Adoption oder Leihmutterschaft verwirklichen. Auch bei Männern sagt die Tatsache darüber, dass sie einen anderen Mann heiraten, offenbar nichts über die sexuelle Orientierung aus, denn sonst wäre das Risiko, ungeplant und ungewollt zum Vater zu werden, ja sicher nicht so groß.
Da Frauenpaare wegen der unehelichen Kinder Anspruch auf Sozialhilfe haben und Männerpaare nicht, liegt eine Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts vor, konstatiert Usher, und die verstößt gegen das in der Verfassung verankerte Gleichheitsgebot.
Dass Ehegattinnen einander zu Unterstützung und Unterhalt verpflichtet sind und daher nur Anspruch auf Sozialhilfe haben, wenn auch die Partnerin nichts oder sehr wenig verdient, übergeht Usher ebenso großzügig wie die Tatsache, dass auch in den USA Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer, die Ehe mit einem Mann also im allgemeinen finanziell attraktiver erscheinen wird. Dass für die meisten Menschen zu einer Ehe auch Liebe und sexuelle Intimität gehören und sie daher nicht bloße Zimmerkamerad_innen heiraten wollen, findet in seinen Thesen ebenso wenig Berücksichtigung wie die Tatsache, dass Lesben selten Lust haben, mit Männern ins Bett zu gehen, um denen durch "Vergessen der Pille" uneheliche Kinder anhängen zu können, für die sie dann Alimente kassieren.
Darauf, warum es verfassungswidrig sein soll, wenn Lesben und Schwule das Recht erhalten, mit ihrer bzw. ihrem Liebsten eine Ehe mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten einzugehen (also auch der Pflicht, füreinander finanziell einzustehen, einen angemessenen Beitrag zur Haushaltsführung zu leisten und für im gemeinsamen Haushalt lebende Kinder zu sorgen), geht er nicht ein, da reale gleichgeschlechtliche Paare nicht zu seinem kruden Konzept der "feministischen" Konvenienzehe unter heterosexuellen Frauen passen.
David R. Usher war vor seiner Tätigkeit als Präsident des "Center For Marriage Policy" Präsident der "American Coalition for Fathers and Children", wo er unter anderem Väter vertrat, die ihre Zahlungspflichten gegenüber ihren Kindern vernachlässigten (und er reichte auch selbst Konkursantrag ein, als er die ausständigen Zahlungen für Kinder aus einer geschiedenen Ehe nicht leisten konnte oder wollte). Seine wissenschaftlichen Qualifikationen hat er sich laut veröffentlichter Biografie durch Selbststudium erworben, da er sich nicht den "aufgezwungenen liberalen Tendenzen an Colleges und Universitäten" aussetzen wollte. Seine originellen, wenn auch etwas an den Haaren herbei gezogenen Thesen veröffentlicht Usher seit einigen Jahren in diversen konservativen Medien.
Da sie dort, außer von Gleichgesinnten, kaum gelesen werden, fallen Widersprüche zwischen den einzelnen Versionen ebenso wenig auf wie kühne Behauptungen, die empirisch leicht widerlegbar sind. So schrieb Usher in der Fassung von 2004, dass NOW seit 30 Jahren (i.e. seit 1974) für eine Frauenehe unter Ausschluss der Männer kämpfe, in der Fassung von 2011 sind es 25 Jahre (i.e. seit 1986). Da er in seinen Publikationen selten Quellen angibt, ist das eine wie das andere schwer nachprüfbar. Im Februar 2004 prophezeite er, dass, wenn die Goodridge Entscheidung (Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Massachusetts) sich herumspricht, es angesichts einer Scheidungsrate von über 50 Prozent und mehr als 25 Prozent unverheirateten Müttern zu einem Ansturm auf "verheiratete Zwei-Mütter-Haushalte" kommen werde und die Männer nur mehr als außerhalb lebende "Zuchthengste" dienen dürften. Massachusetts hat nicht nur die niedrigste Scheidungsrate der USA, sie ist seit der Öffnung der Ehe auch noch weiter zurück gegangen. Und davon, dass alleinerziehende Mütter ihr Glück scharenweise in einer Ehe mit einer anderen alleinerziehenden Mutter suchen, hat acht Jahre nach der Öffnung der Ehe noch niemand etwas bemerkt.
[1] Usher bezeichnet Sheila Cronin als Leiterin (leader) von NOW (National Organization for Women), der 1966 gegründete, größten fortschrittlichen Frauenvereinigung der USA. Cronin wird auf einer Reihe von konservativen Websites als Feministin und NOW Leiterin genannt, ihr Name kommt aber auf der NOW Website nicht vor. (Was natürlich nicht heißen muss, dass sie nicht doch irgendwann eine Führungsrolle in einer regionalen oder thematischen Gruppe innehatte.)
[2] In einer früheren Fassung des Aufsatzes spricht Usher von sechs Einkommensquellen: "I call this arrangement a "super-family" because it would have six sources of income: the incomes of two married mothers, two sets of child-support orders, and two sets of welfare entitlements. Heterosexual marriages have only two incomes, and would clearly be an economically inferior choice." David R. Usher, Why Gay Marriage is Unconstitutional, in: MND, February 24, 2004; online: http://mensnewsdaily.com/archive/u-v/usher/2004/usher022404.htm Zu noch mehr unverdientem Reichtum können Frauen es bringen, indem sie Mitlitärangehörige heiraten und sich dann scheiden lassen: "Consider the advantages of marrying and divorcing a military man. If a woman is married to a military man for merely one day, she can collect up to half his pension if she divorces him. And there is no limitation on how many times a woman can do this." David R. Usher, Divorce and Child Support Are Eviscerating Military Recruitment, in News with Views, 4. Juni 2005; online: http://www.newswithviews.com/Usher/david.htm
Links: http://marriagepolicy.org/2011/11/why-same-sex-marriage-is-unconstitutional/
http://www.rightwingwatch.org/content/new-anti-gay-group-calls-marriage-equality-unconstitutional-discriminatory
http://joemygod.blogspot.com/2011/11/gay-marriage-is-unconstitutional.html (JoeMyGod Leser fanden unter anderem eine Gerichtsentscheidung über Ushers Sorgerechts- und Unterhaltsstreit mit seiner Ex-Frau und ähnliche Details, die seine Qualifikation als Retter von Ehe und Familie in anderem Licht erscheinen lassen.)
http://marriagepolicy.org/2011/03/board_of_directors/ (Biografie Ushers)
http://174.123.24.242/leagle/xmlResult.aspx?page=1&xmldoc=200014919SW3d130_1148.xml&docbase=CSLWAR2-1986-2006&SizeDisp=7 (Suffian v. Usher, 19 S.W.3d 130(2000), die Entscheidung des Supreme Court of Missouri in der Sorgerechts- und Unterhaltsstreitigkeit zwischen Usher und seiner Ex-Frau)
David R. Ushers gesammelte Weisheiten: (Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit)
http://www.renewamerica.com/columns/usher
http://www.newswithviews.com/Usher/davidA.htm
http://www.americandaily.com/author/209
http://mensnewsdaily.com/archive/u-v/usher/2004/usher022404.htm
http://www.bigpicweblog.com/exp/index.php/weblog/comments/david_r_usher_provides_insights_into_the_distortions_gay_marriage_can_impos/
http://www.publiusforum.com/category/publius-contributor/david-r-usher/
http://www.intellectualconservative.com/2011/11/24/why-same-sex-marriage-is-unconstitutional/
http://mensnewsdaily.com/archive/u-v/usher/2004/usher022404.htm
http://mensnewsdaily.com/archive/u-v/usher/2005/usher062805.htm
http://gunnyg.wordpress.com/2009/03/01/ann-coulter-wrong-on-illegitimacy-rates-by-david-r-usher/
http://www.renewamerica.com/columns/usher/110718
http://www.dadsnow.org/
http://townhall.com/social/davidr.usher-163039/comments/
http://www.ejfi.org/family/family-53.htm
http://www.worldnetdaily.co.uk/index.php?fa=PAGE.view&pageId=66154
http://davidrusher.today.com/
Über NOW und das Zitat von Sheila Cronin:
In mehreren konservativen Publikationen und antifeministischen Websites wird für das Zitat “The simple fact is that every woman must be willing to be identified as a lesbian to be fully feminist.” als Quelle Sheila Cronin in National NOW Times, Jänner 1988 angegeben. Da die National NOW Times erst ab 1995 online verfügbar ist und die älteren Nummern nur in wenigen Bibliotheken aufliegen, gehe ich davon aus, dass die meisten Autor_innen, die es verwenden, das Zitat nie im Originalkontext gelesen haben.
http://www.now.org/history/past_presidents.html
http://www.now.org/issues/lgbi/index.html
http://www.now.org/issues/lgbi/lesbian_archive.html
http://www.now.org/nnt/nntindex.html
http://www.ehc.edu/academics/resources/kelly-library/research/subjects/sociology-anthropology
https://catalyst.library.jhu.edu/catalog/bib_3479076
http://en.wikipedia.org/wiki/National_Organization_for_Women
http://conservapedia.com/Feminism
http://exposingfeminism.wordpress.com/quotes/
http://www.shatterdmen.com/feminist_agenda.htm
http://en.wikipedia.org/wiki/Phyllis_Schlafly
http://www.huffingtonpost.com/caryl-rivers/americans-as-welfare-quee_b_922588.html

