Als Direktor McDonough dem Schwimmer Will Higgins zum eben neu aufgestellten Rekord im 50 m Freistil gratulierte, sagte er vorsichtshalber nicht dazu, dass Will den 26 Jahre alten Rekord in einem Mädchenbewerb gebrochen hatte. Manche der jugendlichen Sportler befürchten, dass sie gefrotzelt oder zumindest weniger bewundert werden, wenn bekannt wird, dass sie gegen Mädchen antreten. Die Mädchen fürchten hingegen, dass ihnen die Burschen bei den eigenen Bewerben die Show stehlen und - wichtiger - dass sie ihnen für den Aufstieg in die nächsthöhere Wettkampfklasse und für die begehrten Sportstipendien nötige Siege und Platzierungen wegschnappen.
Verursacht wird das Problem einerseits durch eine Bestimmung in der Verfassung von Massachusetts, die vorschreibt, dass Burschen und Mädchen gleiche Zugangsmöglichkeiten zum Schulsport haben müssen und andererseits durch Sparmaßnahmen der betroffenen Schulen und Colleges. Wenn für zwei Teams das Geld fehlt oder sich nur wenige Interessent_innen finden, werden Mädchen- und Burschenteams zusammen gelegt und zwar nicht nur im Training, sondern auch im Wettkampf. Das ist in Sportarten wie dem Ringen, wo die Wettkämpfer_innen in Gewichtsklassen eingeteilt sind, unproblematisch. Auch in den Mannschaftssportarten wie Hockey bewährt es sich gut, weil die wenigen Burschen, die diese Sportart wählen, ihre Siege durch das Zusammenspiel mit den Kameradinnen erzielen. Aber beim Wettkampfschwimmen erzielen die größeren und kräftigeren Burschen die Erfolge auf Kosten der Mädchen.
Burschen dürfen in Massachusetts zwar schon seit den 1980er Jahren in Mädchenteams mit trainieren, aber in der Vergangenheit war Schwimmen bei Burschen nicht besonders populär, es meldeten sich daher eher die weniger athletischen Burschen zum Schwimmen an, die somit für die Wettkampfschwimmerinnen keine Konkurrenz darstellten. In den letzten Jahren hat sich das geändert. Bei der bundesstaatsweiten Schulmeisterschaft sind in der 1. Division unter 28 Schwimmer_innen über die 50 m Freistil 8 Burschen angetreten. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis ein junger Mann die Mädchenstaatsmeisterschaft gewinnt. Ein Sprecher der für den Schul-Wettkampfsport zuständigen Massachusetts Interscholastic Athletic Association kündigte an, dass man sich in einer Sitzung nach Saisonende mit dem Problem beschäftigen werde. Quelle: New York Times vom 18. November 2011
Links: http://www.nytimes.com/2011/11/19/sports/boys-swimming-on-girls-teams-find-success-then-draw-ire.html
http://www.feministlawprofessors.com/2011/11/when-boys-win-girls-sports/