Fünf Teams zu je drei Teilnehmerinnen kämpften am Samstag Nachmittag bei idealem Sportwetter - leicht bedecktem Himmel und nur mäßigem Wind - beim Tuntathlon 2011 um Meter, Sekunden und Punkte. Der erste Bewerb war der Handtaschenweit- und -zielwurf. Dabei galt es, sich von der Handtasche - unentbehrliches Utensil jeder Tunte - vorübergehend zu trennen und sie so weit wie möglich geradeaus zu werfen. Ein Linienrichter sorgte dafür, dass die Wettkämpferinnen hinter der Startline blieben und sich keine unrechtmäßigen Zentimeter dazu schummelten. Die vierköpfige Jury (Lucy McEvil, Ines Doujak, Gerda Drabek und Dieter Chmelar [1]) vergab die Haltungsnoten.
Das Foto zeigt die zärtlichen Cousinen mit Betreuerin Katrinka Kitschovsky vor dem Start.
Hier bereiten sich die schon schön Girls, die Mädels mit den längsten Beinen und den kürzesten Röckchen, auf den Handtaschenweit- und -zielwurf vor.
Eröffnet wurde der Tuntathlon 2011 von der stellvertretenden Bezirksvorsteherin des 7. Bezirk, Madeleine Reiser, die auch das Handtaschenwerfen außer Konkurrenz einleitete. Die im Bewerb erzielten Weiten lagen zwischen minus 2 (!) und 21 Metern. Einige Handtaschen bekamen Aufwind und landeten auf dem Balkon eines benachbarten Hauses. Für das kooperative Herunterwerfen der verirrten Handtaschen erhielten die Bewohner_innen zum Dank drei Gin Tonic, welche von der Crew des schon schön meisterhaft zubereitet wurden.
Wie es schon in den Einladungen zum Tuntathlon 2011 hieß, ist Tunte weder an ein bestimmtes Geschlecht, noch an eine bestimmte sexuelle Orientierung gebunden. Jede/r kann Tunte sein! Teilnahmebedingung waren nur Stöckelschuhe und eine Perücke. Hier die jüngste aktive Teilnehmerin des gestrigen Tuntathlons, die für ihr Bemühen später einen Sonderpreis zugesprochen erhielt.
Ein paar noch jüngere Nachwuchstunten trugen zwar schon sensationelle Handtaschen und bezaubernde Kleidchen, waren aber noch zu klein für Stöckelschuhe und durften deshalb nur zuschauen.
Fachkundig und routiniert moderiert wurde das tuntigste Sportereignis des Jahres von Queen Mum (links, im damenhaften beigen Kostüm mit Borten) und der Schefin (rechts, im rosa Schnittkleid und mit eleganten Handschuhen).
Queen Mum feierte gestern außerdem Geburtstag (den wievielten, ist nicht so ganz klar). Ihr zu Ehren gab es nach Handtaschenwerfen, Synchronbügeln und Stöckelschuh-Stafetten-Lauf noch einen vierten Bewerb, den Queen-Mum-Jubiläums-Contest, dessen Aufgabenstellung erst unmittelbar vor Beginn der Konkurrenz bekannt gegeben wurde.
Besonderen körperlichen Einsatz und höchste Konzentration beim Handtaschenwurf zeigt hier Susanne van der Strass, geborene Glitter, vom Team Transdanubiens Tunten International mit beschränkter Haftung und Hoffnung, das zu dem tuntigsten Sportereignis des Jahres sogar eigens über die Donau angereist war! (Weitere Teammitglieder: Sarah Jewo und Milva Mielette)
Wegen der besseren Wurfdynamik leerte Susanne dazwischen noch ihre eher schon Reisetaschenformat aufweisende Tasche aus und entschied sich zuletzt, doch eine zierlichere Tasche zu werfen!
Hier ist sie beim zweiten Bewerb, dem Synchronbügeln, zu sehen. Die Tunte von Welt trägt bei der Hausarbeit eine brillantbesetzte Schürze und einen Skunkkragen. Bessere Fotos vom Synchronbügelbewerb, bei dem es auf das gekonnte und stilsichere Bügeln im Einklang mit der ausgewählten Musik ankommt, wird wahrscheinlich Queer-Lounge haben. (Ich stand ein wenig zu weit abseits, um die Wettkämpferinnen beim Bügeln richtig ins Bild zu bekommen.)
Mit der besten Choreographie, der höchsten Musikalität und den schönsten Popos überzeugten die schon schön Girls beim Synchronbügeln die vierköpfige Fach-Jury. Sie lagen nach dem zweiten Bewerb in der Punktewertung so weit vorne, dass sie beim danach folgenden Stöckelschuhstafettenlauf und beim Queen-Mum-Jubiläums-Contest kaum mehr einzuholen waren.
Den Siegespreis - drei von der Firma Siemens gestiftete 1st Class Bügeleisen - trugen also die Lokalmatadorinnen davon. Auf den Plätzen landeten die zärtlichen Cousinen und die Transdanubianerinnen.
Nun soll auch noch verraten werden, worin der Queen-Mum-Jubiläums-Contest bestand: Da Queen Mum bekanntlich Gin-Tonic liebt, galt es, eine Gurkenscheibe zielsicher in ein in einiger Entfernung bereitgestelltes Cocktailglas zu werfen.
Für das leibliche Wohl von Tunten und Zuschauer_innen sorgte übrigens die restliche Crew des schon schön mit perfekt gemixten Cocktails, belegten Broten, Frankfurtern, Gemüse-Tascherln und Schokolade-Muffins.
[1] Ab der Hälfte sprang Marg (Margarete Grabner) für Dieter Chmelar ein.
Einen ausführlichen Bericht über den Tuntathlon 2011 wird es im übernächsten Queer-Lounge am 2. August um 21:30 auf OKTO TV geben. Berichtet hat auch der Kurier in der Sonntags-Printausgabe.
Anmerkung: In der Queer-Lounge Ausgabe im Juli wird ein Bericht über die Vienna Pride Show vom Rathausplatz zu sehen sein.
Links: http://www.facebook.com/pages/Tuntathlon2011/212895192083741
http://www.thinkoutsideyourbox.net/?p=17093
http://www.queer-lounge.at/main/
http://www.schon-schoen.at/index2.html
http://www.marg.at/news/
Update: http://www.youtube.com/watch?v=vg6l1nsCePU die Siegerinnen mit ihrer Synchronbügelshow
http://kipet.wordpress.com/2011/06/21/der-grosse-tuntathlon-2011/
http://www.party.at/Sport/Archiv.2011/Beitrag.2011.06.25.001/
http://rubensdomina.wordpress.com/2011/06/26/tuntathlon-2011/ (mit Fotos)
http://www.gaynet.at/szene/artikel/7150_Tuntathlon?gnid=9dddae6550b9da1383cf010bf2ae1690
Welch große Rolle Tunten, Transen und Drag-Queens bei den Stonewall Riots 1969 gespielt haben, wird in der schwul-lesbischen Geschichtsschreibung oft übersehen. Es geht aber deutlich aus einem damaligen Zeitungsartikel hervor, den Joe Jervis anlässlich der heute in New York stattfindenden CSD-Parade wieder veröffentlicht hat. http://joemygod.blogspot.com/2011/06/anniversary.html
und bei http://www.thedarlings.at/