
In Brisbane, Australien, gibt es derzeit Streit um eine Plakatwerbung für Kondome. Das Plakat zeigt zwei (angezogene!) Männer, die einander umarmen. Einer hat eine geschlossene Kondompackung in der Hand. Nach Protesten von Mitgliedern der Australian Christian Lobby (ACL) hat die Firma Adshel, die die Werbeplätze bei Busstationen vermietet, die Plakate entfernen lassen. Die Initiatoren der Plakatwerbung, die Queensland Association for Healthy Communities, sind konsterniert. Direktor Paul Martin sagte, diejenigen, die schon länger in der HIV-Prävention in Queensland arbeiten, kennen solche Reaktionen von früher. "Aber 2011 hätten wir uns das sicher nicht erwartet." ACL möchte, dass Schwule und Lesben aus der Öffentlichkeit verschwinden, meint er; es handle sich beim ACL um eine extreme, kleine und gut organisierte Gruppe. Die Mehrheit der Queenslander_innen unterstützt die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben.
Die Vorsitzende von ACL Queensland, Wendy Francis, sagte, sie hätte Einwände gegen die "sexuelle Natur" des Plakats, nicht dagegen, dass es sich um zwei schwule Männer handelt. Was die beiden auf dem Plakat täten, sei "eine Art Vorspiel", also ein sexueller Akt. Sowas habe in Bushaltestellen, wo Kinder auf den Schulbus warten, ihrer Meinung nach nichts verloren. Wenn man das Plakat betrachtet, dann ist der Dame wohl die Phantasie durchgegangen. Kinder verbinden mit einer harmlosen Umarmung keinen Sex und kleinere Kinder werden in dem roten Päckchen wohl eher Kaugummi oder sonst etwas Interessantes vermuten, als ein fades Kondom.
Nach Auskunft von Healthy Communities gab es in Queensland im Jahr 2010 mehr HIV-Neuinfektionen als je zuvor seit die Tests Mitte der 1980-er Jahre begonnen haben. 65 % der Neuinfizierten sind Männer die Sex mit Männern haben, es ist daher wichtiger denn je, die Safer-Sex Botschaft an den Mann zu bringen - und zwar auch außerhalb von Szene-Lokalen und Magazinen.
Update: Die Plakatfirma Adshel hat erklärt, dass sie die Plakate wieder anbringen wird. Sie hätten mittlerweile erfahren, dass es sich bei den 40-50 Protestanrufen nicht um einzelne entrüstete Bürger_innen, sondern um eine zielgerichtete Aktion der ACL handelte. "Wir haben uns die Plakate noch einmal angesehen und entschieden, die Kampagne mit sofortiger Wirkung wieder zu starten," erklärte Adshel-Chef Steve McCarthy. Bei einer Online-Umfrage der Brisbane Times wählten bisher 81 Prozent der teilnehmenden Leser_innen "Das Plakat ist großartig und hätte hängen bleiben sollen" als Antwort aus.
Links: http://www.qahc.org.au/rnr (Hier kann das Plakat in Druckqualität heruntergeladen werden)
http://www.couriermail.com.au/lifestyle/hiv-ads-pulled-from-brisbane-bus-shelters/story-e6frer4f-122606676084
http://www.heraldsun.com.au/news/breaking-news/hiv-ads-pulled-from-brisbane-bus-shelters/story-e6frf7jx-1226066748375
http://www.advocate.com/News/Daily_News/2011/05/31/HIV_Prevention_Ads_Yanked_in_Australia/
http://joemygod.blogspot.com/2011/05/australia-christianist-group-forces.html
http://quest-news.whereilive.com.au/news/story/huge-support-for-the-gaps-rip-roll-couple/
http://www.stuff.co.nz/life-style/5086199/Trans-Tasman-outrage-as-gay-safe-sex-ad-pulled
http://www.queer.de/detail.php?article_id=14347
http://en.wikipedia.org/wiki/Australian_christian_lobby
http://www.brisbanetimes.com.au/polls/queensland/safe-sex-ad-offensive-20110601-1ff80.html