Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek gab im Gespräch mit "Österreich"-Redakteurin Katharina Nagele zu erkennen, dass sie den Kinderwünschen von lesbischen und schwulen Paaren positiv gegenübersteht. Sie kann sich sowohl die Stiefkindadoption, wie auch die Fremdkindadoption und die künstliche Befruchtung für Lesben vorstellen - freilich schrittweise, eines nach dem anderen, denn sie muss den Koalitionspartner überzeugen, was sicher keine einfache Aufgabe sein wird. Als erstes plant Heinisch-Hosek mit der ÖVP über die Stiefkindadoption zu verhandeln, also jene Fälle, wo Kindern, die bereits in Regenbogenfamilien leben, die zusätzliche Sicherheit eines zweiten Elternteils geboten werden soll.
Zustimmung zu der angekündigte Initiative kommt von den Grünen, deren Sprecherin für Lesben-, Schwulen- und Transgenderpolitik, Bundesrätin Jennifer Kickert heute erfreut aber skeptisch reagierte: "Forderungen zur Imagepflege aufzustellen ist leicht, aber umgesetzt hat Heinisch-Hosek von ihren Ankündigungen bisher nur wenig." Die Grünen haben bereits im April dieses Jahres einen parlamentarischen Antrag zur Aufhebung des Adoptionsverbotes bei eingetragenen Partnerschaften eingebracht. "Es gibt keinen sachlichen Grund, Lesben und Schwulen die Adoption von Stiefkindern und anderen Kindern weiterhin zu verbieten," erklärte Kickert.
Ganz anders sieht, wie zu erwarten, die FPÖ die Anregung der Frauenministerin. Deren Generalsekretär Herbert Kickl will Kinder "vor den gesellschaftspolitischen Experimenten der SPÖ und anderer linker Gruppen" schützen. Es bewahrheite sich nun, dass die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle nur der erste Schritt war. "Auf Basis dieses Gesetzes, das wir Freiheitlichen immer abgelehnt haben, wird nun versucht, die sogenannte 'Regenbogen-Familie' als neues Modell zu propagieren", erklärt Kickl.
Dass die "sogenannten" Regenbogen-Familien kein "neues Modell linker Gruppen", sondern seit Jahren gelebte Realität sind, dürfte ihm bisher entgangen sein. Nebenbei versucht Kickl wieder einmal, das "Steuersplitting" als Mittel zur Förderung junger Familien zu propagieren, obwohl davon in erster Linie (ältere) Spitzenverdiener mit nicht oder nur halbtags berufstätigen Gattinen profitieren würden. (Gendern erspare ich mir in diesem Fall, weil es an der Realität vorbei geht.)
Auch die Medien dürften noch nicht so ganz in der Gegenwart angekommen sein, wie die Tatsache zeigt, dass zum Internationalen Tag der Familie (15. Mai) zahlreiche Interviews mit Frauenministerin Heinisch-Hosek, aber keines mit Familienminister Reinhold Mitterlehner abgedruckt wurde. Kinder und Familie sind offenbar noch immer Frauensache.
Links: http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Kinder-fuer-Lesben-und-Schwule/27863095
http://derstandard.at/1304551891783/Heinisch-Hosek-200-Millionen-extra-fuer-Familienfoerderung
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/661981/HeinischHosek_Mehr-Geld-fuer-Kinderbetreuung
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20110516_OTS0133/kickert-erfreut-ueber-heinisch-hoseks-vorstoss-zu-adoptionsrecht-fuer-lesben-und-schwule
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20110516_OTS0067/fpoe-kickl-klar-gegen-adoptionsmoeglichkeit-fuer-homo-paare
http://www.regenbogen-familien.at/