Polens Außenministerium hat den Organisatior_innen der Pride-Parade laut EUobserver mitgeteilt, dass Polen bei Paradenbesucher_innen aus Russland, Weißrussland und der Ukraine auf die Visumsgebühren für die Einreise in den Schengenraum verzichten wird. Das Organisationsteam ist über die Ankündigung erfreut, sind doch die Visagebühren in der Höhe von 35,- (Russland und Ukraine) bzw. 60,- (Weißrussland) Euro für Teilnehmer_innen aus Ländern, in denen das Durchschnittseinkommen nur 300,- Euro pro Monat beträgt, ein ernsthaftes Reisehindernis.
Der Sprecher für Polens EU-Präsidentschaft Konrad Niklewicz betonte, dass es sich bei dem Gebührenerlass nicht um den Versuch handelt, im Vorfeld von Polens-EU-Präsidentschaft im Juli den Ruf seines Landes zu verbessern. Minderheitenrechte und Gleichberechtigung der Geschlechter seien keine speziellen Programmpunkte der EU-Präsidentschaft, sondern Werte, welche die polnische Regierung immer verteidige.
LGBT-Aktivist_innen in Polen sehen die Lage nicht ganz so rosig wie die diplomatischen Vertreter. "Im 17. und 18. Jahrhundert war Polen im europäischen Vergleich sehr tolerant," merkt Paraden-Sprecher Jej Perfekcyjonsc an. "Aber das hat sich geändert und jetzt muss Polen schauen, den Anschluss an die progressiveren EU-Mitglieder zu schaffen."
Die Parade in Warschau wird am 11. Juni stattfinden. Im Vorjahr nahmen daran zwischen 6000 und 12000 Personen Teil. Die Organisator_innen rechnen damit, dass es wieder Gegendemonstrationen und Störaktionen rechter Gruppen geben wird, hoffen aber, dass die Polizei den plangemäßen Ablauf der Parade ermöglichen wird. Einige Abgeordnete von linken und grünen Parteien haben ihre Teilnahme anerkündigt.
Warschaus Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz hat die Unterstützung der Parade mit der Begründung abgelehnt, dass sie dann alle zivilgesellschaftlichen Aktionen unterstützen müsse - eine Begründung, die LGBT-Aktivist_innen nicht gelten lassen, weil die streng katholische Bürgermeisterin vor kurzem eine Ausnahme für einen Labrador-Umzug gemacht hatte, mit dem für Hundeheime gesammelt wurde. "Wir dachten, dass sie für unser Anliegen auch eine Ausnahme machen wird. Aber das war ein Irrtum", meinte Paraden-Sprecher Jej Perfekcyjonsc dazu trocken. Quelle: EUobeserver vom 10. Juli 2011
Links: http://euobserver.com/9/32299
http://paradarownosci.eu/