Wien - Ein voller Erfolg war das Treffen der Sektion Andersrum mit Gastreferentin Eli Fröhlich. Das Thema schwule Pflegeelternschaft hatte großes Interesse erregt, so dass die Runde für den ursprünglich geplanten Stammtisch zu groß war und ins Obergeschoß des Café Aroma übersiedelte.
Nach einer kurzen Einleitung über das Diplomarbeitsthema und den persönlichen Zugang dazu (Eli Fröhlich ist selbst Pflegemutter in einer Regenbogenfamilie) beantwortete sie die Fragen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen.
In Wien gibt es derzeit 9 schwule Pflegeelternpaare und einen
alleinerziehenden schwulen Pflegevater. Warum die gemeinsame
Pflegeelternschaft gleichgeschlechtlicher Paare schon seit Jahren
möglich ist, die Adoption jedoch nicht, erklärt sich vor allem aus
Angebot und Nachfrage. In Wien besteht hoher Bedarf an Pflegeeltern,
die MA11 (MAG ELF) ist daher offen und flexibel, wobei es allerdings auch auf die
einzelne Sozialarbeiterin ankommt, mit der man zu tun hat.
Die meisten Pflegekinder sind klein, bis zu zwei Jahren. Wenn man
größere Kinder haben möchte, ist das aber auch möglich. Man kann auf
dem Fragebogen auch angeben, ob man es sich zutraut, ein behindertes
Kind zu übernehmen oder lieber nicht. Die Pflegeltern bekommen von der
MA11 psychologische und finanzielle Unterstützung (verpflichtender
Vorbereitungskurs, Besuche durch Sozialarbeiterin, bei Bedarf
Begleitung bei den Kontakten mit den leiblichen Eltern, Pflegeelterngeld und
bei Bedarf Ersatz von Sonderausgaben). Gegebenenfalls kann ein
Elternteil beim Verein Eltern für Kinder angestellt werden (knapp über
der Geringfügigkeitsgrenze, aber zumindest versichert).
Die Pflegekinder sollen grundsätzlich mit ihren leiblichen Eltern
Kontakt pflegen können, wie sich das in der Praxis entwickelt, hängt
sehr von den leiblichen Eltern ab. Das Verhältnis zwischen leiblicher
Mutter und Pflegevätern ist oft besser als mit Pflegemüttern, weil ein
Mann nicht als Konkurrent betrachtet wird. Rechtlich bleiben die
Pflegekinder, anders als Adoptivkinder, mit den leiblichen Eltern
verwandt (Erbrecht etc), sie behalten im Regelfall auch ihren
Familiennamen, die Obsorge kann unterschiedlich geregelt sein,
Pflegeeltern können Erziehungs- und Pflegentscheidungen aber
alleine treffen.
Auch wenn Pflegeeltern theoretisch Eltern auf Zeit sind, bleiben die Kinder im Normalfall bis zum Erwachsenwerden bei ihnen.
Die Pflegeväter, die Eli Fröhlich für ihre Diplomarbeit interviewte,
haben ihre Kinder noch zu kurz, um daraus Langzeiterfahrungen ableiten zu
können, aus anderen Studien weiß man aber, dass Kinder in
Regenbogenfamilien sich gut entwickeln und mit allfälligen dummen
Sprüchen in ihrer Umgebung wegen ihrer zwei Väter oder zwei Mütter
selbstbewusst umgehen können. Bei Pflegekindern kommt dazu, dass sie
neben den Pflegeeltern auch noch leibliche Eltern haben (oft neben dem
leiblichen Vater auch noch den aktuellen Partner der leiblichen
Mutter). Die meisten gleichgeschlechtlichen Elternpaare beziehen
Verwandte und Freund_innen mit ein, um ihrem Kind oder ihren Kindern
auch andersgeschlechtliche Vorbilder zu bieten.
Informationen und Unterstützung gibt es neben der MA 11 auch beim Verein Eltern für Kinder und bei diversen Regenbogenfamiliengruppen.
Links: http://www.wien.gv.at/menschen/magelf/adoption/index.html Übersichtsseite der MAG ELF
http://www.efk.at/ Eltern für Kinder Österreich
http://www.regenbogen-familien.at/ Plattform Regenbogenfamile, Kinderwunschgruppe, Regenbogenkinder und Eltern
http://www.sozialarbeitergasse.at/ Beratungsstelle und Praxisgemeinschaft (Kontaktadresse für Eli Fröhlich)
Sektion Andersrum der SPÖ Mariahilf