Tuesday, 8. March 2011
Internationaler Frauentag - die Geschichte
Im August 1910 beschloss die II. Internationale sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen, einen Kampf- und Forderungstag für Frauen einzuführen. Als Initiatorin dieses Frauentages gilt die Führerin der internationalen sozialistischen Frauenbewegung, die Sozialdemokratin und spätere Kommunistin Clara Zetkin. Der Internationale Frauentag wurde dann zum ersten Mal am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA durchgeführt. Das wichtigste Ziel war die Einführung des Wahlrechts für Frauen. 1912 schlossen sich auch die Frauen in Frankreich, den Niederlanden und Schweden, 1913 im zaristischen Russland der Idee des Internationalen Frauentages an.
1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, wurden alle für den Internationalen Frauentag in Deutschland vorgesehenen Demonstrationen und Veranstaltungen verboten. Die Frauenpolitik der Nazidiktatur war darauf ausgerichtet, die Errungenschaften der Frauenbewegung rückgängig zu machen und daher auch die Idee des Internationalen Frauentages auszumerzen. In Österreich stand der Frauentag 1933 unter dem Motto „Gegen den Faschismus! Für Freiheit und Brot! Gegen den § 144! Für vollständige Gleichberechtigung der Frau als Arbeiterin und Staatsbürgerin!“ Adelheid Popp schrieb in ihrer Einleitung zur Flugschrift: „Am Frauentag wollen wir unsere Stimme gegen den Faschismus in Deutschland erheben und damit auch gegen den Faschismus im eigenen Lande.“ (S. 4)
Der Kampf gegen den Faschismus im eigenen Land ging ebenfalls verloren: Nach dem blutigen Februar 1934 gab es auch in Österreich unter den diktatorischen Regierungen Dollfuß und Schuschnigg keinen Frauentag mehr.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Internationale Frauentag lange Zeit als politisch angeordneter kommunistischer Feiertag wahrgenommen. Erst die zweite Frauenbewegung der 1970er Jahre reklamierte ihn wieder für sich. Seit die Vereinten Nationen 1975 zum Internationalen Jahr der Frau erklärten und den Internationalen Frauentag am 8. März in den Kalender der jährlich zu begehenden bedeutenden Tage aufgenommen hat, wird er in vielen Ländern der Welt begangen.
Aus Anlass des 100. Geburtstags des Internationalen Frauentags wurde in der sozialwissenschaftlichen Bibliothek der Wiener Arbeiterkammer eine Ausstellung über frauenspezifische und feministische Bücher aus der hauseigenen Sammlung zusammengestellt. Der Bogen spannt sich von Adelheid Popp und Clara Zetkin über Simone de Beauvoir bis zu Johanna Dohnal und Rotraud Perner. Der Schwerpunkt liegt bei Frauen und Erwerbsleben. Die Bücherschau ist bis zum 23. März zu sehen. Der Bestand an frauenspezifischer Literatur der Bibliothek umfasst derzeit 11.000 Bände, die Bibliothek der AK ist also auch abseits der Ausstellung einen Besuche wert.
Anm.: Der Text istgroßteils aus der Broschüre "100 Jahre Internationaler Frauentag" übernommen, die von Dr. Madeleine Wolensky zusammengestellt und von der AK Wien Bibliothek aufgelegt wurde.
100 Jahre Internationaler Frauentag - Bücherschau
Wann: Mo - Fr 10:00 bis 19:30
Wo: AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften, Prinz-Eugen-Straße 20-22, 1040 Wien
Telefon: (01) 501 65-23 52
Links: http://wien.arbeiterkammer.at/bibliothek.htm
http://aleph18-prod-sh2.obvsg.at/F?func=find-b-0&CON_LNG=ger&local_base=akw01 (Online-Katalog der AK Wien Bibliothek)
- 11. Mai: STICHWORT Eröffnungsfest
- Buchpräsentation und historische Frauentagsmusik am 8. März an der mdw
- Das Theorie-Praxis-Verhältnis in Feminismus und Frauenbewegung – wo stehen wir heute?
- 26. April: Tag der feministischen Bibliothek in Salzburg
- 5. Nov.: "Mehrheit verpflichtet" und "ofra – online archiv frauenpolitik"


