Soziologische, auch geschlechterwissenschaftliche bzw. feministische Debatten drehen sich immer wieder um das Verhältnis von 'Programm' und Praxis. Das heißt darum, inwiefern normative Ordnungen bzw. 'Diskurse' das Tun der Menschen determinieren - oder auch nicht. In der jüngsten Rezeption und kritischen Weiterführung des foucaultschen Verständnisses von Gouvernementalität sowie in der Debatte um biopolitische Regierungsformen scheint mir eine 'Wuchtigkeit' der Programmatik am Werke: Personen mutieren, mehr oder weniger implizit, zu Verkörperungen von normativen Programmen, Diskursen oder Dispositiven. Auch die emphatische Aufmerksamkeit, die die Sozialfigur des 'unternehmerischen Selbst' (Bröckling 2007) geweckt hat, scheint Villa dafür symptomatisch. Andererseits haben viele Perspektiven und empirische Beiträge im Kontext des (Sozial-)Konstruktivismus, etwa im 'doing gender' betont, wie soziale Ordnung durch Praxis erzeugt wird. Verkürzt formuliert, handelt es sich beim Letzteren um eine 'bottom-up', bei der Ersteren um eine 'top-down'-Perspektive auf den Zusammenhang von (normativem) Programm und Handlungspraxis
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