Tuesday, 7. September 2010
CSD-Vienna - ein neuer Anfang für die Regenbogenparade?
Die Initiative ging von einigen Community-Medien aus, die sich unmittelbar nach der Parade 2010 vornahmen, nicht nur zu kritisieren, sondern Nägel mit Köpfen zu machen und besonders jene anzusprechen, die in den letzten Jahren der Parade ferngeblieben waren: die Betreiber_innen von Szenelokalen und der Community nahestehenden Unternehmen. Dies dürfte auch weitgehend gelungen sein, wenn man sich die Liste der Unterstützer_innen ansieht.
Aufgerufen sich einzubringen sind aber "alle", denn die neue Bewegung soll die ganze Vielfalt der österreichischen LGBT-Community wiederspiegeln, wie in der Presseaussendung des neu gegründeten CSD Vienna steht. Das ist auch nötig, denn die Vorbereitung der Parade und etlicher Events im Umfeld der Parade ist vor allem viel Arbeit, Arbeit, die seit 2003, als sich der alte CSD als handlungsunfähig herausgestellt hatte und die HOSI Wien spontan einsprang, um die Parade doch noch stattfinden zu lassen, die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HOSI Wien gemeinsam mit freiwilligen Helfer_innen erledigt hatten.
Die HOSI Wien soll, wie alle anderen relevanten Community Vereine und Unternehmen, in den CSD Vienna eingebunden werden, der einerseits als Dachverband der österreichischen LGBT-Bewegung agieren soll, andererseits aber nur die Veranstaltung der Parade und der Events in deren Umfeld zur Aufgabe hat.
Bei der HOSI ist man allerdings skeptisch. Obwohl "jede Initiative, die Parade aktiv zu unterstützen" begrüßt wird, "sehen [wir] keinerlei Notwendigkeit, eine neue Struktur zu schaffen und die Parade – wie jetzt ins Spiel gebracht wird – 'wieder von einer unabhängigen Dachorganisation der österreichischen LGBT-Community' zu organisieren", erklärte HOSI Wien Obmann Christian Högl. Außerdem weist er darauf hin, dass auch der alte CSD, der die Regenbogenparade von 1996 bis 2002 organisiert hatte, keine Dachorganisation war.
Högl kritisiert auch - meiner Ansicht nach zu Recht - einen Punkt im Programm des CSD Vienna: " '[G]emeinsam getragene politische Forderungen' - widersprechen diametral dem Verständnis und Zugang, durch die sich die Parade bisher ausgezeichnet hat. Denn jede teilnehmende Gruppe kann ihre eigenen politischen Forderungen auf der Parade transportieren. Es gibt bisher keinen Zwang, sich gemeinsamen Forderungen oder einer - vermeintlichen - Mehrheitsmeinung der Community unterzuordnen."
Er und auch Karl Kreipel, der "längstdienende" ehrenamtlicher Mitarbeiter der Parade, der schon im früheren CSD-Verein mitarbeitete, betonen, dass die HOSI Wien die kommerziellen Szene-Unternehmen zwar zu einer aktiven Mitarbeit und zum Einbringen neuer Ideen einlädt, für eine von rein kommerziellen Interessen getragene Parade aber nicht zur Verfügung steht.
Damit dürften sie auf der Wellenlage der Community liegen, denn wenn man nachliest, was in Blogs und Foren an der Regenbogenparade kritisiert wird, so ist das immer wieder dieselben Punkte: zuviel Kommerz, politische Forderungen gehen in Show und Party unter, Teilnehmer_innen haben keine Lust, "Dekor" für Kameraleute und Schaulustige zu sein.
Die HOSI Wien lädt alle Interessierten am 19. Oktober zu einem Treffen ein, bei dem das Ergebnis des Paradenfeedbacks diskutiert werden soll und die HOSI sich auch der Kritik stellen will.
Links: http://www.csdvienna.at
http://www.hosiwien.at/hosi-wien-skeptisch-gegenueber-neuer-csd-initiative-werden-kommerzielle-parade-nicht-unterstuetzen/
http://www.hosiwien.at/regenbogenparade/feedback-regenbogenparade-2010/
http://www.ggg.at/index.php?id=69&tx_ttnews[tt_news]=3450&cHash=ff3aec6cbfa7451a796c8d283c530e2d
http://www.gayboy.at/news/16599
http://www.marco-schreuder.at/2010/03/genug-paradiert-schluss-mit-lustig.html
http://www.marco-schreuder.at/2010/03/these-1-regenbogenparaden-sind-gut-fur.html
http://socialhack.eu/wp/2010/03/queer-szene-in-wien/
http://www.marco-schreuder.at/2010/03/these-3-so-etwas-wie-eine-lesbisch.html
http://www.gayboy.at/news/4550 (2003)
http://www.gayboy.at/news/4294 (2003)
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