Sunday, 8. August 2010
New Yorker Berufungsgericht lässt Unterhaltsklage gegen Co-Mutter zu
H.M. und E.T. lebten als Paar zusammen und beschlossen, gemeinsam ein Kind zu bekommen, das H.M. nach einer Samenspende auf die Welt brachte. Wenige Monate nach der Entbindung trennten die beiden sich und H.M. zog mit dem Kind zurück in ihre Heimat Kanada. Jahre später verschlechterte sich ihre finanzielle Lage und sie machte bei ihrer Expartnerin Unterhaltsansprüche für das Kind geltend. Sie beantragte dabei unter anderem die Feststellung, dass E.T. ein Elternteil und unterhaltsverpflichtet sei. E.T. wandte ein, dass sie mit dem Kind nicht verwandt sei und das Gericht daher nicht zuständig sei. Dem folgte die Erstrichterin am Familiengericht und wies die Klage zurück. Sie stützte sich dabei auf den Präzedenzfall Alison D. v. Virginia M. (1991).
Auf die Berufung von H.M. hob das Familiengericht den Zurückweisungsbeschluss auf und ordnete eine Unterhaltszahlung an. Es begründete die Entscheidung mit estoppel. Als die beiden Frauen zusammenlebten, habe E.T. H.M. gegenüber vorgegeben, dass sie für das Kind sorgen werde und H.M. sei im Vertrauen darauf schwanger geworden und habe das Kind geboren, daher könne E.T. den Unterhaltsanspruch nun nicht grundsätzlich in Abrede stellen.
Eine Berufung E.Ts an die Appelate Division brachte wieder einen Zurückweisungsbeschluss - Begründung wie bei der Erstrichterin. Nun berief H.M. beim NY Court of Appeals und erhielt am 4. Mai 2010 Recht. Die Begründung der Mehrheit des Richter_innensenats lautete, dass die Klagsbehauptungen die Zuständigkeit des Familiengerichts begründeten. H.M. hätte in ihrem Antrag E.T. als Elternteil bezeichnet, daher müsse das Erstgericht den Anspruch inhaltlich prüfen und entsprechend Beweise aufnehmen.
In einer abweichenden Meinung gab ein Senatsmitglied zu bedenken, dass das Gericht am selben Tag in einem anderen Fall die Parteistellung der Co-Mutter aufgrund des Alison Präzedenzfalles verneint hätte und Richter Robert Smith schlug in einer concurring opinion vor, einen neuen Prüfmaßstab für den Status als Elternteil einzuführen, der auf die typische Situation lesbischer Paare Rücksicht nicht, die gemeinsam beschließen, ein Kind mittels anonymer Samenspende auf die Welt zu bringen.
Die Appelate Division zog daraufhin den Fall wieder an sich, stellte die Entscheidung des Familengerichts wieder her und sprach der Klägerin den Unterhaltsanspruch mit der schon im Familiengericht genannten Begründung des estoppel sowie des Kindeswohls zu. [2] Quelle: Leonard Lawlink vom 5. August 2010
[1] New York Appellate Division, 2nd Department
[2] "H.M.’s petition seeks an order of support predicated upon a determination, through the doctrines of equitable estoppel and implied contract, that E.T. is chargeable with the support of the subject child, and is not entitled to disclaim that obligation," wrote the court. "We evaluate this claim for relief in accordance with the Court of Appeals’ holding that such a claim lies within the Family Court’s ‘article 4 jurisdiction,’ pursuant to which the ‘Family Court also has the inherent authority to ascertain in certain cases whether a female respondent is, in fact, a child’s parent.’ We now conclude that H.M. has stated a viable cause of action for the invocation of equitable estoppel to determine whether her former same-sex partner should be compelled to pay child support pursuant to Family Court Act articles 4 and 5-B."
The court explained that equitable estoppel has been used in various other contexts to hold somebody who had been acting as a parent to be obligated to provide support, even though they were neither a biological nor adoptive parent of the child in question, and that the "paramount concern" in such cases has always been "the best interests of the child." Since the Appellate Division had used equitable estoppel in the past to hold a man to a support obligation even though he had no biological or adoptive connection to a child, where he had impliedly promise his female partner to provide support and the promise was relied upon, the court found it would be appropriate to do so in this case.
"By parity of reasoning," wrote the court, "we hold that where the same-sex partner of a child’s biological mother consciously chooses, together with the biological mother, to bring that child into the world through AID [artificial insemination by donor], and where the child is conceived in reliance upon the partner’s implied promise to support the child, a cause of action for child support under Family Court Act article 4 has been sufficiently alleged."
Links: http://newyorklawschool.typepad.com/leonardlink/2010/08/ny-appellate-division-revives-child-support-order-against-lesbian-co-parent.html
http://www.nccr.info/index.php?view=article&id=397:lesbians-duty-to-pay-child-support
http://www.nycourts.gov/reporter/3dseries/2010/2010_06313.htm (Entscheidung der Appelate Division vom 3. August 2010)
http://www.nycourts.gov/reporter/3dseries/2009/2009_04240.htm (Entscheidung der Appelate Division vom 26. Mai 2009 im selben Fall)
http://scholar.google.com/scholar_case?case=9642267704432486710 (detto via Google Scholar)
http://www.nycourts.gov/reporter/3dseries/2007/2007_51711.htm (Entscheidung des Familiengerichts vom 11. September 2007)
Bespechungen der unterinstanzlichen Entscheidungen: http://www.law.com/jsp/article.jsp?id=1202431061899
http://www.marnelllaw.com/index.php
http://scholar.google.com/scholar_case?case=5433681493093283396&hl=en&as_sdt=2002 (Alison D. v. Virginia M., der bisherige Präzedenzfall, der die Parteistellung der Co-Mutter für die Zwecke einer Klage auf Besuchsrecht verneinte.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Estoppel
http://legal-dictionary.thefreedictionary.com/Equitable+Estoppel


