Die 15. Budapester Pride Parade am 10. Juli lief unter umfangreichen Sicherzeitsmaßnahmen und auf verkürzter Strecke ohne große Zwischenfälle ab. Da es seit 2007 immer wieder zu gewalttätigen Übegriffen rechtsradikaler Gegendemonstranten auf die Paradenteilnehmer_innen gekommen war, werden inzwischen Seitengassen und U-Bahn-Aufgänge abgesperrt und die Parade findet zwar in Gegenwart der Presse, aber fast ohne Konktakt zu den Mitbürger_innen statt.
Die Zusammenarbeit mit der Polizei war etwas mühsam, berichten die Veranstalter_innen in einer Presseaussendung vom 16. Juli. Zunächst stellen die Behörden unerfüllbar hohe Anforderungen an die Veranstalter_innen, die quasi selbst für einen ausreichenden Schutz sorgen sollten - wohl in der Hoffnung, dass die Parade abgesagt würde. Dann gab der zuständige Behördenvertreter zwei Stunden vor dem offiziellen Beginn der Parade bekannt, dass es keine Absprerrungen geben werde. Erst Polizeichef Tamás Tóth selbst ordnete dann doch noch Absperrungen im Startbereich der Parade an, "soweit diese nötig sein sollten".
Auch bei der Party nach der Parade war der Polizeischutz mäßig. Als sechs Rechtsradikale vor Ort auftauchten, verlangten die Polizisten, dass die Veranstalter selbst sie zum Verlassen auffordern sollten. "Würden sie auch von einem Bankangestellten verlangen, dass er Räuber persönlich wegweist oder ist das nur bei Queers so?", fragt Gábor Kuszing von Patent - People Challenging Patriarchy.
Den Paradenteilnehmer_innen und Festivalbesucher_innen aus dem In- und
Ausland rieten sowohl die Veranstalter_innen als auch Mitarbeiter_innen
solidarischer Organisationen wie Amnesty International, dass sie auf
dem Weg zum und vom jeweiligen Veranstaltungsort möglichst unauffällig gekleidet sein und Zeichen wie Regenbogenfahnen oder -sticker abnehmen bzw. einstecken sollten.
Bei zwei Zwischenfällen in der Pride-Woche, wo einmal Rechtsradikale das Kino Mûvész zu überfallen drohten, in dem das Pride-Festival stattfand und das andere Mal ein Tourist mit einem rosa T-Shirt zusammengeschlagen wurde, warfen Polizisten zunächst den Opfern vor, dass sie die Aggression provoziert hätten. Die Regenbogenfahne an der Fassade des Mûvész Kino wurde denn auch bald nach der Eröffnung des Festivals entfernt, berichtet die deutschsprachige Budapester Zeitung, die auch auf den Widerspruch zwischen der fortschrittlichen ungarischen Verfassung und der konservativen Gesellschaft eingeht und darauf, dass sich die Öffentlichkeitswirksamkeit des Festivals und der Parade in Grenzen hält, wenn sie aus Sorge um die Sicherheit quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen.
In Indymedia, Sabotnik und useless berichten Teilnehmer aus Deutschland, die jeweils mit Gruppen nach Budapest gereist waren, um sich mit Ungarns Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trangenderpersonen solidarisch zu zeigen über ihre Befürchtungen und Erlebnisse und auch welche persönlichen Erkenntnisse sie durch die Teilnahme an einer multinationalen Veranstaltung gewonnen haben.
Links: http://budapestpride.hu/en/press-releases
http://de.indymedia.org/2010/07/286035.shtml
http://sabotnik.blogsport.de/2010/07/12/gay-pride-2010-in-budapest/
http://useless.blogsport.de/2010/07/12/city-of-fear/
http://jungle-world.com/artikel/2010/28/41326.html
http://www.budapester.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=5946&Itemid=30