
Wien - Hunderte HIV-Positive protestierten gestern bei der Eröffnung der internationalen AIDS 2010 Konferenz in der Messe Wien mit einem "Die-In" gegen die höchst mangelhafte finanzielle Unterstützung durch die reichsten Länder der Welt. Sie entfalteten Transparente, ließen gasgefüllte Ballons steigen und legten sich mit Protestplakaten beklebt auf den Boden der Empfangshalle. "Gebrochene Versprechen töten" - lautet die Botschaft und weist darauf hin, dass politischen Festreden kaum Taten folgen und dass zuletzt Präsident Obama die Finanzmittel für die HIV-Prävention und Behandlung nicht, wie versprochen, erhöht hat.
Kritik an mangelnder Unterstützung kam aber auch von offizieller Seite. UNAIDS-Chef Michael Sidibe forderte eine "Robin Hood" Steuer - Finanzunternehmen in alelr Welt sollten damit einen Beitrag zur Finanzierung des Kampfes gegen die Immunschwächekrankheit leisten. Weltweit und vor allem in Afrika müssen Menschen, die bereits erfolgreich behandelt worden waren, ihrem Schicksal überlassen werden, weil nicht genügend Geld für Medikamente und ärzliche Versorgung zur Verfügung steht. Viel zu wenig Geld ist außerdem für die Prävention da. Noch immer infizieren sich etwa in Südafrika über eine Million Menschen im Jahr neu mit dem HIV-Virus.
Ein zweites Sorgengebiet ist Osteuropa und Zentralasien. Nur 23 % der Menschen die dort eine Behandlung benötigen würden, erhalten diese auch, sagte die Präsidentin der Österreichischen AIDS-Gesellschaft Brigitte Schmied. Das Resultat ist die am schnellsten ansteigende AIDS-Epidemie. Der Hintergrund ist die Kriminalisierung und Stigmatisierung von intravenös Drogenabhängigen und die mangelnden Betreuungsprogramme (Substitutionstherapie, Spritzentausch). In Usbekistan wurde das Substitutionsprogramm gar ganz geschlossen, berichtet Vladimir Zhovtyak, Präsident der osteuropäischen und zentralasiatischen Union der Menschen mit HIV/AIDS und in der Ukraine stirbt jeder zweite HIV-Positive an Tuberkulose, weil es keine ausreichende Behandlung gibt.
Ein erster wichtiger Schritt wäre es, wenn die Regierungen das Problem überhaupt zugeben würden, sagte die Vorsitzende des russischen Verbandes gegen Armut und für Entwicklung, Sasha Volgina. Solange Russland vorgibt, ein 'Geberland' zu sein und keine Hilfe zu benötigen, solange es vortäuscht, dass es keine große Drogen-Epidemie gibt, wird sich nichts ändern, so Volgina.
Die Konferenz AIDS 2010 mit rund 25.000 Gästen läuft noch bis zum 23. Juli in Wien. Neben Expert_innen aus Medizin, Forschung und Politik nehmen Prominente von ex-Präsidetn Bill Clinton über MS-Gründer Bill Gates bis zu der norwegischen Kronprinzessin Mette-Maritk Teil. Am Dienstag wird Annie Lennox im Rahmen einer Großkundegebung am Heldenplatz singen.
Foto: Rick Havoc
Links: http://www.aids2010.org/
http://www.fundglobalaids.org/2010/07/aids-activist-die-in-delays.html
http://joemygod.blogspot.com/2010/07/vienna-poz-activists-halt-world-aids.html
http://rodonline.typepad.com/rodonline/2010/07/protesters-stage-die-in-to-delay-the-aids-2010-opening-ceremony.html
http://www.flickr.com/photos/riekhavoc/4805649860/in/set-72157624527350020/
http://derstandard.at/1277338393940/UNAids-fordert-Robin-Hood-Tax
http://derstandard.at/1277338396593/Rechte-hier-und-jetzt-Flammende-Appelle-fuer-mehr-Geld-und-Menschenrechte
http://derstandard.at/1277338395773/Kgalema-Motlanthe-Die-Neuinfektionen-sind-ruecklaeufig
http://www.flickr.com/photos/riekhavoc/4805649860/in/set-72157624527350020/
Hinweis: ondamaris berichtet ausführlich über die AIDS 2010 Konferenz und über HIV/AIDS im Allgemeinen.
http://www.ondamaris.de/?p=19938
http://www.ondamaris.de/?tag=aids2010