Wednesday, 30. June 2010
US-Forscher_innen wollen Lesben im Mutterleib "heilen"
Das Hormonpräparat Dexamethason wird von manchen Mediziner_innen zur Behandlung von CAH (Congenital adrenal hyperplasia, einer abnormen Vergrößerung der Klitoris) eingesetzt, aber Maria New und Heino F.L. Meyer-Bahlburg diskutieren, wie sich die Hormongabe auf die spätere sexuelle Orientierung und das Verhalten von Frauen auswirkt. Sie haben beobachtet, dass von den Frauen mit CAH überdurchschnittlich viele lesbisch oder bisexuell sind und spekulieren, dass dies durch die Hormongabe während der Schwangerschaft ebenfalls "behoben" werden könnte.
New und Meyer-Bahlburg gehen aber noch weiter: Durch die erhöhte Zufuhr männlicher Hormone entwickeln die von CAH betroffenen Mädchen auch weniger Interesse am Kinderkriegen und an typisch weiblichen Beschäftigungen und Verhaltensweisen, was Meyer-Bahlburg als "Abnormalität" bezeichnet, die durch gezielte pränatale Hormonbehandlung möglicherweise behoben werden kann.
In einem Aufsatz den New heuer gemeinsam mit Saroj Nimkarn publizierte, schreibt sie: "Geschlechtsabhängiges Verhalten, nämlich Kinderspiele, Gruppenverhalten, Karriere- und Freizeitvorlieben in Jugend und Erwachsenenenleben, Mütterlichkeit, Aggression und sexuelle Orientierung werden bei 46,XX Mädchen und Frauen mit 21OHD Mangel (CAH) vermännlicht. Diese Abnormalitäten werden auf die Auswirkungen der überhöhten pränatalen Androgenmengen auf die Entwicklung des Gehirns und später des 'Verhaltens zurückgeführt." Nikarn und New setzen fort: "Wir vermuten, dass pränatale Dixamethason Therapie diese gut dokumentierte Vermännlichung des Verhaltens reduzieren kann ..."
Die Autorinnen des Artikels im Bioethics Forum finden es zu Recht ironisch, dass Maria New, die selbst eine der ersten Spezialistinnen für Endokrinologie des Kindesalters und Mitglied der US Akademie der Wissenschaften ist, Mädchen, die "Männerberufe" ergreifen, als "abnormal" konstruiert.
Die Dexamethason-Therapie ist aber auch bei der CAH-Vorbeugung nicht unumstritten, vor allem, weil das Medikament dafür nicht freigegeben ist, viele derartigen Behandlungsversuche ohne entsprechende Überwachung stattfinden und über mögliche Nebenwirkungen noch viel zu wenig bekannt ist. Die Behandlung muss außerdem zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft beginnen, an dem die CAH-Diagnose noch nicht möglich ist und die Hormone "auf Verdacht" gegeben werden. Dazu erschien am 18. Juni ein Artikel im Time Magazin.
Alice Dreger, Ellen K. Feder, Anne Tamar-Mattis: Preventing Homosexuality (and Uppity Women) in the Womb?, Bioethics Forum, 29. Juni 2010
Links: http://www.thehastingscenter.org/Bioethicsforum/Post.aspx?id=4754&blogid=140
http://www.pamshouseblend.com/diary/16545/doctor-testing-delesbian-hormone-on-pregnant-women
http://slog.thestranger.com/slog/archives/2010/06/29/doctor-treating-pregnant-women-with-experimental-drug-to-prevent-lesbianism
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18157628 Meyer-Bahlburg HF, Dolezal C, Baker SW, New MI.: Sexual orientation in women with classical or non-classical congenital adrenal hyperplasia as a function of degree of prenatal androgen excess; Arch Sex Behav. 2008 Feb;37(1):85-99. (Abstract frei)
http://jcem.endojournals.org/cgi/content/full/84/6/1844 H. F. L. Meyer-Bahlburg: What Causes Low Rates of Child-Bearing in Congenital Adrenal Hyperplasia?; The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism Vol. 84, No. 6 1844-1847
http://www.time.com/time/health/article/0,8599,1996453,00.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Dexamethason
http://en.wikipedia.org/wiki/Congenital_adrenal_hyperplasia


Slog http://slog.thestranger.com/slog/archives/2010/06/29/doctor-treating-pregnant-women-with-experimental-drug-to-prevent-lesbianism
und Box Turtle Bulletin