Seit Jahren wird in Wien über ein Mahnmahl für die homosexuellen Opfer der nationalsozialistischer Verfolgung diskutiert. Das aus einem Wettbewerb 2006 als Sieger hervorgegangene Projekt mit dem rosa Wasser in einem Becken am Morzinplatz hat sich als technisch nicht durchführbar erwiesen, eine neue Lösung ist noch nicht in Aussicht. Im Dezember 2009 wurde daher beschlossen, zunächst temporäre Kunstwerke zu installieren. Das erste davon wird diese Woche, am Tag vor der Regenbogenparade, eröffnet und wird als temporäres Projekt bis zum 1. Oktober an jedem Freitag von 17 bis 18 Uhr stattfinden.
Ines Doujak - Mahnwache
Wann: Eröffnung am Freitag, 2. Juli 2010, 17 Uhr 14 Uhr *)
Wo: Morzinplatz, 1010 Wien
Zur Eröffnung sprechen Matthias Herrmann, Kurator, Sandra Frauenberger, Amtsführende Stadträtin für Integration, Frauenfragen, KonsumentInnenschutz und Personal und Andreas Mailath-Pokorny, Amtsführender Stadtrat für Kultur und Wissenschaft. Ines Doujak ist anwesend.
Remembering is never a quiet act of introspection. It is a painful re-membering, a putting together of the dismembered past to make sense of the trauma of the present. (Homi Bhabha)
Ines Doujaks Projekt erinnert an die Verfolgung und Ermordung homosexueller und transgender Personen
im Dritten Reich. Drei Monate lang, jeweils freitags von 17 bis 18 Uhr, halten Personen eine Mahnwache
am Morzinplatz, an dem sich im Dritten Reich die Gestapo-Leitstelle Wien befand. Sie tragen Tafeln mit
Collagen, deren Basis Photos von kotzenden und schreienden Personen sind, die aus dem Ohr bluten. Ines
Doujak schafft visuelle Turbulenzen, die ihr Gegenüber heraus- und gegebenenfalls auch überfordern.
Die Künstlerin begreift Gedenken und Erinnerung als einen nicht primär individuellen, kontemplativen
Vorgang, sondern als einen auf Erneuerung und Veränderung basierenden kollektiv zu verhandelnden
Prozess, der durch Affekte gesteuert und manipuliert werden kann.
In der MAHNWACHE verleiht Ines Doujak der Erinnerung an das von diesem Ort ausgegangene Grauen eine
physische Präsenz. Außerdem wird eine 8-teilige Serie von Postkarten produziert und an eine breite
Öffentlichkeit verteilt, der hiermit auch die Möglichkeit zur aktiven Einschreibung in das Projekt
eingeräumt wird.
Anlässlich der Regenbogenparade wird auch am Samstag dem 3. Juli eine Mahnwache stattfinden.
Ines Doujak geboren 1959 in Klagenfurt, lebt und arbeitet in Wien.
*) Tut mir leid, die falsche Uhrzeit stand in der Ankündigung, die ich bekommen habe.
Links: http://www.queer.wien.at
http://de.wikipedia.org/wiki/Ines_Doujak
http://www.univie.ac.at/queer-studies/index.php?article_id=25