Irakische Polizisten stürmten laut Berichten der in London ansässigen Menschenrechtsgruppe Iraqi LGBT eine Notunterkunft für Schwule, Lesben und Transgender in der Stadt Karbala, ca. 100 km südwestlich von Bagdad. Dabei wurden sechs Personen festgenommen und weggebracht, Computer mitgenommen und das Haus anschließend von unbekannten Personen angezündet. Die Polizeiaktion spielte sich am 16. Juni ab.
Einer der verhafteten Männer tauchte zwei Tage später mit lebensgefährlichen Verletzungen am Hals in einem Spital auf. Er berichtete, dass er gefoltert worden ist. Von den anderen fünf, zwei schwulen Männern, einer Lesbe und zwei Transgenderpersonen, fehlt bisher jede Nachricht. Es wird befürchtet, dass sie nach Badgad ins Innenministerium gebracht wurden und dort gefoltert und getötet werden. In der Vergangenheit passierte es auch häufig, dass LGBT-Personen an Straßensperren festgehalten und dann Milizen übergeben wurden, welche sie foltern und töten.
Homosexuelle Kontakte unter Erwachsenen sind nach dem irakischen Strafgesetzbuch nicht verboten, allerdings gibt es eine Reihe von Bestimmungen, nach denen Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender dennoch verfolgt werden können (Erregung öffentlichen Ärgernisses, Pornographieverbot, unzüchtiges Verhalten in der Öffentlichkeit, unzüchtige Annäherung an eine Person usw.). Seit dem Fall Sadam Husseins haben die irakischen Ayatollahs al Sistani and Muqtada al Sadr sich wiederholt dafür ausgesprochen, dass Homosexuelle getötet werden sollen. Die ihnen ergebenen Milizen erfüllen ihnen dieses Wunsch offenbar nur zu gerne und die staatlichen Sicherheitsorgane spielen ihnen anscheinend in die Hände oder unternehmen jedenfalls nichts dagegen.
Iraqi LGBT kritisiert, dass westliche Staaten, allen voran Großbritannien und die USA ihre Augen vor der Verfolgung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Trangenders im Iraq verschließen. Vielmehr werden homosexuelle Flüchtlinge aus dem Iraq von den britischen Behörden sogar mit der Begründung zurückgeschickt, dass ihnen dort keine Gefahr drohe. Als im Vorjahr nach mehreren Berichten über gefolterte oder getötete Schwule und Transgender die USA eine Untersuchung der Situation im Irak ankündigten, wiegelte die damalige US Missionschefin in Bagdad Patricia Butenis ab: "Wir haben keinen Hinweis darauf, dass die Sicherheitskräfte in irgendeiner Weise mit den Milizen kooperieren."
Links: http://iraqilgbt.org.uk/news-home/iraqi-police-raid-karbala-safe-house/
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2010/jun/23/gay-people-iraq
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12364
http://www.huffingtonpost.com/taylor-asen/our-moral-duty-to-address_b_620127.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Karbala
http://en.wikipedia.org/wiki/LGBT_rights_in_Iraq
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak
http://governingpeople.com/Home/16115 Gay life after Saddam (ein Report der BBC)
http://jb_speechification.s3.amazonaws.com/Gay-Life-After-Saddam.mp3 (hier noch verfuegbar)
http://news.bbc.co.uk/2/hi/8204853.stm
Defined tags for this entry:
Irak