Rund 140.000 Menschen werden laut dem neuesten Bericht des UN Büros für Drogenhandels- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) alleine in Europa jährlich Opfer von Menschenhandel, die große Mehrheit davon wird sexuell ausgebeutet. Das Problem ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit, doch auch beim organisierten Verbrechen gibt es Trends: so beobachtet das UNODC in letzter Zeit vermehrt Menschenhandelsopfer aus Lateinamerika, vor allem aus Brasilien. Neben Frauen erwähnt der Bericht ausdrücklich auch Transgender Opfer, die unter anderem in Österreich vermehrt gesehen werden. Die Kunden sind, unabhängig vom Geschlecht der Sex-Arbeiter_innen, fast ausschließlich Männer.
Der Bericht erwähnt regionale Unterschiede bei der Rekrutierung der Opfer. Die Menschenhändler auf dem Balkan versprechen ihren Opfern meistens Arbeitsplätze, in der Ukraine wird auch mit Arbeit gelockt, aber auch mit Model-Verträgen, Teilnahme an Schönheitswettbewerben, Heiratschancen oder der Möglichkeit, im Ausland zu studieren. Am Balkan, in Osteuropa und in der ehemaligen Sowjetunion werden die Opfer oft von Verwandten vermittelt. Eine Studie aus der Ukraine zeigt, dass 11% der weiblichen Opfer unter Mitwirkung ihrer Ehemänner gehandelt wurde. Aber auch jene rund 20% der ukrainischen Menschenhandelsopfer, die vorher wussten, dass sie als "Tänzerinnen", "Masseusen" etc. arbeiten würden, hatten keine Ahnung von den Arbeitsbedingungen. Aus Lateinamerika sind Fälle bekannt, wo Opfer dazu gezwungen wurden, Bekannte zur "Mitarbeit" zu überreden. Als Vorwand dienen auch hier oft Angebote in der Modebranche, als Modell und ähnliches.
Das Kapitel über den Menschenhandel ist nur ein Teil des Berichts "A globalization of crime", der Mitte Juni veröffentlicht wurde. Andere Kapitel beschäftigen sich mit Drogenproduktion und -handel, Waffenhandel, dem Schmuggel von Migrant_innen, Umweltverbrechen, Cybercrime und Hochseepiraterie. Bei der Vorstellung des Berichts warnte UNODC-Direktor Antonio Maria Costa, dass das organisierte Verbrechen eine Gefahr für den Weltfrieden zu werden droht.
Der Bericht: The globalization of crime: A transnational organized crime threat assessment, herausgegeben von UNODC, 2010
Links: http://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/tocta-2010.html
http://www.unodc.org/documents/frontpage/UNODC_Annual_Report_2010_LowRes.pdf (Das Kapitel über den Menschenhandel, 16 Seiten)
http://derstandard.at/1276413787841/Organisierte-Kriminalitaet-Uno-warnt-vor-Weltherrschaft-der-Mafia Siehe auch Printausgabe des Standard vom 23. Juni 2010