Wie in Österreich sind eingetragene Partner_innen auch in der Schweiz vom Recht auf Adoption und auf medizinisch gestützte Fortpflanzung im Gesetz explizit ausgeschlossen. Im Oktober vergangenen Jahres startete die Initiative "Gleiche Chancen für alle Familien" eine Unterschriftenaktion, um das zu ändern. Über 19.000 Unterschriften wurden Mitte Juni bei der Bundeskanzlei eingereicht.
Obwohl das Gesetz sowohl Fremdkindadoption als auch Stiefkindadoption, also die Adoption durch den Partner oder die Partnerin des leiblichen Elternteils verbietet und die Stiefkindadoption der in der Praxis weitaus häufigere Fall ist, konzentriert die Diskussion in den Medien sich auf die Fremdkindadoption. Da fallen dann Sätze wie "Eine Adoption ist für ein Kind eine besondere Situation. Es sei daher schwierig, zu beurteilen, ob ein Kind in eine noch speziellere Situation – in eine Familie mit homosexuellen Eltern – gebracht werden solle." Dass die Mehrzahl der betroffenen Kinder auch ohne Adoption in einer Familie mit homosexuellen Eltern lebt und damit zurecht kommt, übersieht der von der Berner Zeitung zitierte Leiter der Schweizerischen Fachstelle für Adoption, Rolf Widmer.
Der Autor des Zeitungsartikels befragte auch die Soziologin Eveline Nay, die derzeit am Genderinstitut der Universität Basel die erste Studie über Regenbogenfamilien in der Schweiz durchführt. Sie verweist auf die bereits bekannten Studien aus den USA und Deutschland, die deutlich zeiten, dass Kinder in Regenbogenfamilien sich nicht anders entwickeln als in heterosexuellen Familien. Auf die Frage, ob die Gefahr besteht, dass die Kinder selbst homosexuell werden fragt sie zurück: "Warum scheint es wichtig, zu fragen, ob Regenbogenkinder auch lesbisch oder schwul wie ihre Eltern werden könnten? Hat man Angst, dass sich die Menschheit nicht mehr fortpflanzt?" Sie beruhigt den Reporter, dass dem nicht so ist: Schwule und Lesben sind nicht unfruchtbar, auch wenn sie zum Teil wie kinderlose Hetero-Paare dem Storch mittels Samenspende nachhelfen.
Die Schweizer Bevölkerung scheint mit Regenbogenfamilien kein Problem mehr zu haben: Laut einer von Pink Cross und LOS in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage sind fast 9 von 10 Befragten (86,3%) dafür, dass Kinder die in Regenbogenfamilien leben, die gleichen Rechte haben sollen, wie Kinder anderer Familien. Zwei von drei Befragten waren der Ansicht, dass Homosexuelle leibliche Kinder ihres Partners oder ihrer Partnerin adoptieren können sollten und sogar die gemeinsame Adoption eines fremden Kindes wird von 53% der 1007 Befragten befürwortet.
Links: http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Hohe-Huerden-fuer-schwule-Vaeter/story/21022605?
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Schwule-sind-mir-teuer-und-kostbar-aber/story/21000829
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Schwule-und-Lesben-wollen-Kinder-adoptieren/story/12060642
http://www.woz.ch/artikel/2010/nr24/schweiz/19439.html Eveline Nay, Mami, Mama, Papi, Papa
http://www.ggg.at/index.php?id=62&tx_ttnews[tt_news]=3223& cHash=73cd33757f5ded5489c83f1f9fd72325 19.000 Unterschriften für Homo-Adoption in der Schweiz
http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/06/15/Schweiz/Schwule-und-lesbische-Paare-wollen-Kinder-adoptieren-koennen
http://genderstudies.unibas.ch/de/zentrum/personen/profil/portrait/person/nay/
http://www.gendercampus.ch/projects/graduiertenkolleg3/Lists/Projektdatenbank/ViewD.aspx?ID=28
http://www.los.ch
http://www.pinkcross.ch