Judith Butler hat den Zivil-Courage Preis des Berliner CSD, der ihr gestern verliehen werden sollte, abgelehnt, um ein Zeichen ihrer Distanzierung zu "rassistischer Komplizenschaft" des CSD zu zeigen. Begrüßt wird ihre Entscheidung von Berliner Queer und Trans-of-Colour-Aktivist_innen und Verbuendeten, die Veranstalter des CSD fühlen sich missverstanden.
Aus der Presseerklärung von SUSPECT:
Wir freuen uns, dass eine renommierte Theoretikerin die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr zu Gute kommt, nutzt, um Queer-of-Colour-Kritiken gegen Rassismus, Krieg, Grenzen, Polizeigewalt und Apartheid zu würdigen. Wir schätzen vor allem ihren Mut, die Nähe der Veranstalter zu homonationalen Organisationen offen zu kritisieren und zu skandalisieren. Ihre couragierte Rede ist nicht zuletzt auch das Resultat ihrer Offenheit für neue Anstöße, und ihrer Bereitwilligkeit, sich mit unserer jahrelangen aktivistischen und akademischen Arbeit auseinanderzusetzen, die allzu oft isoliert, prekarisiert, angeeignet und instrumentalisiert wird.
Dies ist auch jetzt schon wieder zu bemerken, denn die People of Colour Organisationen, die ihrer Meinung nach den Preis eher verdient hätten als sie, werden in sämtlichen bisherigen Presseberichten mit keinem Wort erwähnt. Butler bot den Preis laut und deutlich GLADT (www.gladt.de), LesMigraS (www.lesmigras.de), SUSPECT und ReachOut
(www.reachoutberlin.de) an, doch die einzige politische Veranstaltung, an die sich Leute erinnern, ist eine weiß dominierte - der transgeniale CSD.
Links: http://www.youtube.com/watch?v=BV9dd6r361k&feature=player_embedded Judith Butlers Rede auf YouTube
http://nohomonationalism.blogspot.com/2010/06/judith-butler-lehnt-berlin-csd.html Presseerklärung von SUSPECT
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12336 (User "stromboli" war anscheinend dabei und war auch am Tag davor bei Judith Butlers Vortrag in der Volksbühne.)
Kompliz_innenschaft eines weißen Homonationalismus, die Judith Butler in ihrer Ansprache wiederholte, geht in der Berichterstattung weitgehend unter. Sie trifft ganz offensichtlich einen derart brennenden blinden Fleck, dass sie mit allen Mitteln delegitimiert werden muss, wie Johanna Schaffer in einem E-Mail anmerkte.
Links, bunt gemischt: http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/judith-butler-drueckt-auf-die-spassbremse/
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/2767874_Eklat-beim-Christopher-Street-Day-Judith-Butler-nimmt-Preis-nicht-an.html
http://imgartenmitsatie.twoday.net/stories/6388559/
http://www.tagesspiegel.de/berlin/die-regenbogen-party-und-ein-eklat/1864012.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/heftige-diskussionen-nach-kritik-an-csd-/1864540.html
http://www.dkp-queer.de/?p=1448
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&dig=2010/06/21/a0118&cHash=4508f3332d
http://www.ggg.at/index.php?id=62&tx_ttnews[tt_news]=3236&cHash=c6e2ab44f4f7e0fa8b22e45b11315608
Und ein nicht sehr tiefschürfendes Interview mit Judith Butler in der Welt: http://www.welt.de/die-welt/kultur/literatur/article8113317/Lady-Gaga-Westerwelle-und-der-lesbische-Phallus.html
http://dasendedessex.blogsport.de/2010/06/20/wir-wollten-nie-normal-werden-judith-butler-bringt-es-auf-den-punkt-und-kritisiert-ausschluesse-und-rassismus/
Ein älteres Interview, in dem Butler ihren Standpunkt zum Thema Nation/Nationalismus deutlich macht: http://www.haaretz.com/news/judith-butler-as-a-jew-i-was-taught-it-was-ethically-imperative-to-speak-up-1.266243 (Tipp von Elisabeth Malleier)
Mit dem Rassismus in der (deutschen) Schwulenbewegung beschäftigt sich auch Georg Klauda in Abschnitten seines Buchs "Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt".
http://www.radio-z.net/en/gesellschaft-beitraege/topics/28981.html
http://www.hivnachrichten.de/2009/02/die-vertreibung-aus-dem-serail-%E2%80%93-europa-und-die-heteronormalisierung-der-islamischen-welt/