Der im Frühjahr in Duisburg gegründete Liberal-Islamische Bund (LIB) sieht sich als Vertretung der mehrheitlich liberalen Positionen des in Europa vorherrschenden Islam-Verständnisses zu vertreten, so das Selbstverständnis des Vereins. Der LIB sei "für einander widersprechende Blickwinkel" offen, erklärte Lamya Kaddor, die Vorsitzende des neu gegründeten Vereins, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ).
"Wir wollen der schweigenden Mehrheit der Muslime eine Stimme geben, die keine fundamentalistischen Positionen vertreten, sondern das Motto: Leben und leben lassen", so die 32-jährige Islamwissenschaftlerin aus Münster. Dem entsprechend ist der LIB auch für die Gleichbehandlung außerehelicher und gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Es gehe um "selbstbestimmte Lebensgestaltungen entlang der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz", erklärt Kaddor. Muslime müssten den Koran "frei von Angst, nach eigenem Gewissen und offen interpretieren dürfen".
Darauf angesprochen, ob ihr nicht Kritik drohe, weil sie außergeschlechtliche und gleichgeschlechtliche Partnerschaften befürwortet, präzisierte Kaddor im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Befürworten ist zu viel gesagt. Wir wünschen uns nur, dass Muslime diese Art von Partnerschaften tolerieren und akzeptieren. Das heißt aber nicht, dass ein Muslim sie gutheißen muss. Wir wünschen uns in diesen Punkten mehr Offenheit und Toleranz."
Damit ist der LIB die zweite islamische Organisation Deutschlands, die sich positiv über die Rechte von Lesben und Schwulen äußert. Im Mai hatte der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, den Diskriminierungsschutz im deutschen Grundgesetz unterstützt: "Die Verfolgung und Diskriminierung von Homosexuellen findet keine islamische Rechtfertigung", so Mazyek damals.
Die in Deutschland lebenden Muslime sind damit um vieles fortschrittlicher als jene konservativen Gutachter, die bei einer parlamentarischen Anhörung im April dieses Jahres argumentiert hatten, die Verankerung des Schutzes vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung würde Muslimen die Intetration erschweren.
Links: http://www.lib-ev.de/
http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Neuer-Islam-Verein-unterstuetzt-Homo-Ehe-id3083871.html
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5665952,00.html
http://www.lamya-kaddor.de/cms/
http://www.ggg.at/index.php?id=323&tx_ttnews[tt_news]=3204&cHash=e0c42ec55d5f4ffa6270e88b5ab57f04
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12290
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12156
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12063
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12087
http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a06/anhoerungen/01_Aenderung_Grundgesetz/index.html
http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/a06/anhoerungen/01_Aenderung_Grundgesetz/04_Stellungnahmen/index.html