Rund 219.000 Pints, also über 100.000 Liter mehr Spenderblut stünden in den USA pro Jahr zur Verfügung, wenn das seit 1986 bestehende generelle Blutspendeverbot für alle Männer, die irgendwann seit 1977 Sex mit einem Mann hatten, fallen würde. Zu diesem Schluss kommt eine eben veröffentlichte Studie des Williams Instituts an der University of California in Los Angeles.
Die Autor_innen, Naomi G. Goldberg und Gary J. Gates nahmen allgemeine Bevölkerungsstatistiken mehrerer Jahre, eine Statistik über das Sexualverhalten von männlichen US-Bürgern über 18 sowie Statistiken des Roten Kreuzes und der US-Gesundheitsbehörde als Basis. 6,4 % der Männer geben an, seit ihrem 18. Geburtstag zumindest einmal Sex mit einem Mann gehabt zu haben, das sind insgesamt 7,2 Millionen Männer. 4% oder 4,5 Millionen hatten in den letzten 5 Jahren Sex mit einem Mann, 3,5% oder 3,9 Millionen in den letzten 12 Monaten. Davon wurden 532.000 Männer abgezogen, die laut Schätzungen der Gesundheitsbehörde HIV-positiv sind und deshalb nicht spenden dürfen.
Nach den Erfahrungen der Blutspendeorganisationen sind rund 39% der HIV-negativen Bevölkerung zum Blutspenden geeignet, aber nur 5 % spenden tatsächlich. Diese rund 9,5 Millionen Spender_innen spenden rund 16 Millionen mal, was im Schnitt 1,7 Spende pro Spender_in ergibt.
Wenn das Spendeverbot für MSM komplett aufgehoben würde, gäbe es 2,6 Millionen zusätzliche potentielle Spender, von denen erwartungsgemäß rund 130.150 tatsächlich spenden würden - das ergibt 219.200 Pints oder 103.587 Liter Spenderblut. Wenn nur jene MSM spenden dürften, die in den letzten 12 Monaten keinen Sex mit einem Mann hatten, ergäbe das über 1 Million zusätzliche Spender und 89.716 Pints oder 42.436 Liter und bei einer Einschränkung auf Männer, die in den letzten fünf Jahren keinen Sex mit Männern hatten, 712.218 Pints oder 336.879 Liter.
Außerdem haben die Forscher_innen errechnet, dass rund 400 Männer mehr pro Jahr als Organspender zur Verfügung stünden, wenn das Organspendeverbot für MSM die in den letzten fünf Jahren Sex mit einem Mann hatten, fallen würde. Der prozentuelle Zuwachs durch das Wegfallen des Spendeverbots wäre mit 0,6 - 1,4 % beim Blut und 1,1 - 2,6 % bei den Organspenden zwar gering, aber angesichts von regelmäßig vorkommenden Engpässen bei der Blutversorgung und langen Wartelisten für Spenderorgane dennoch bedeutsam, schließen die Autor_innen der Studie.
Sowohl das amerikanische Rote Kreuz als auch die amerikanische Vereinigung der Blutbanken sind der Ansicht, dass das generelle Blutspendeverbot für MSM medizinisch und wissenschaftlich nicht mehr gerechtfertigt ist. Die US-Gesundheitsbehörde FDA wird am 10. und 11. Juni eine Anhörung über das Spendeverbot abhalten.
Die Studie: Naomi G. Goldberg und Gary J. Gates, Effects of Lifting Blood and Organ Donation Bans on Men Who Have Sex with Men; Los Angeles, Juni 2010.
Links: http://www.law.ucla.edu/WilliamsInstitute/publications/FormattedMSM_Goldberg_Gates.pdf (Die Studie, 5 Seiten)
http://miamiherald.typepad.com/gaysouthflorida/2010/06/report-lifting-ban-on-gay-donors-would-boost-blood-supply-by-219000-pints-each-year.html (Presseaussendung)
http://www.law.ucla.edu/williamsinstitute/home.html (Williams Institute)