Nach nur 17 Tagen im Amt musste der liberaldemokratische Staatssekretär David Laws am Freitag seinen Hut nehmen, weil er jahrelang die Wohnung seines Partners mit Parlamentsgeldern finanziert hat. Wie die konservative Tageszeitung "The Telegraph" berichtete, hat er von 2004 bis September 2009 zwischen 700 und 950 Pfund (826 und 1.120 Euro) im Monat für die Untermiete eines Zimmers in der Wohnung seines bis dahin geheim gehaltenen Partners als Spesen verrechnet, obwohl Mietzahlungen an einen Partner oder eine Partnerin seit 2006 explizit verboten sind.
In seiner Antwort an die Zeitung gab Laws an, dass er durch das Verschweigen der Nahebeziehung zum Vermieter sein Privatleben schützen und seine Homosexualität geheimhalten wollte. Bisher wussten weder Familie noch Bekannte von der seit 2001 bestehenden Beziehung, in einem Interview vor kurzem hatte Laws sich als "Single" bezeichnet. Er behauptete, sich nicht von der Regel betroffen gefühlt zu haben, die "Partner_innen" als Personen definiert, die, "ohne verheiratet oder verpartnert zu sein, zusammen leben und einander als Gatten behandeln." Er und sein Partner James Lundie hätten zwar zusammengelebt, aber einander nicht als Gatten angesehen, sagte Laws. Sie hätten getrennte Bankkonten und einen unterschiedlichen Freundeskreis gehabt. Er gab aber zu, dass man die Interpretation diskutieren könne und kündigte an, die zwischen der Änderung der Regel 2006 und September 2009 angefallenen Spesen in der Höhe von rund 40.000 Pfund umgehend zurückzuzahlen.
Der Rücktritt des Finanzstaatssekretärs macht britische LGBT-Medien ratlos. So fragt PinkNews: Warum ist das schon der dritte liberaldemokratische Abgeordnete in zwei Jahren, der zum Coming-out gezwungen werden muss, obwohl die Partei Schwule und Lesben doch von ganzem Herzen unterstützt? Im Telegraph schreibt Tony Grew, früher selbst Redakteur bei PinkNews, dass er Laws Motive aus eigener Erfahrung ein wenig verstehen kann. Der Druck auf Laws, die Beziehung zu seinem "Vermieter" vor seiner streng katholischen Familie und in gewisser Weise auch vor sich selbst geheim zu halten, muss enorm gewesen sein. Er hofft, dass Laws nun "die Sonne im Gesicht spüren" kann, nachdem er Familie, Verwandten und Freunden und de Welt gesagt hat, dass er einen Freund hat, schreibt Grew. "Dies ist kein völlig dunkler Tag, David. Es ist der Anfang eines Lebens außerhalb des Schattens" gibt er David Laws mit auf den Weg.
Links: http://www.telegraph.co.uk/news/newstopics/mps-expenses/7780642/MPs-Expenses-Treasury-chief-David-Laws-his-secret-lover-and-a-40000-claim.html
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12257
http://www.ggg.at/index.php?id=62&tx_ttnews[tt_news]=3169&cHash=c044594166b289f952a34ddc08b08caf
http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk/10191524.stm
http://www.guardian.co.uk/politics/2010/may/29/david-laws-quits-expenses-scandal
http://www.pinknews.co.uk/2010/05/30/comment-david-lawss-gay-secrecy-is-understandable-what-is-not-is-why-so-many-lib-dems-end-up-being-forced-to-come-out/
http://www.telegraph.co.uk/news/newstopics/mps-expenses/7785296/David-Laws-desperate-act-of-an-MP-scared-of-being-outed.html