Steven Monjeza und Tiwonge Chimbalanga, die am 20. Mai von einem malawischen Gericht wegen "Unzucht wider die Natur" zur Höchststrafe von 14 Jahren Kerker mit Zwangsarbeit verurteilt worden waren, wurden gestern in einem überraschenden Schritt von Staatspräsident Bingu wa Mutharika begnadigt.
Die Entscheidung wurde bei einer Pressekonferenz anlässlich des Besuchs von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bekannt gegeben. "Ich habe entschieden, dass sie mit Wirkung von heute begnadigt sind und freigelassen werden", teilte Präsident Mutharaki den Reporter_innen mit. "Diese Burschen haben ein Verbrechen gegen unsere Kultur, unsere Religion und unsere Gesetze begangen," sagte der malawische Präsident, "Aber als Staatsoberhaupt begnadige ich sie und ordne ihre sofortige bedingungslose Entlassung an." Er fügte hinzu, dass er aus humanitären Gründen handle und dies nicht heiße, dass er es unterstütze.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon lobte die Entscheidung von Präsident Mutharaki als "mutig". Er fügte hinzu, dass das veraltete Sodomieverbot aus den Strafgesetzen gestrichen werden sollte, wo immer es noch exitiert. Ban Ki-moon hält sich anlässlich der feierlichen Eröffnung des neu errichteten Parlamentsgebäudes in der malawischen Hauptstadt Lilongwe auf. Laut Presseberichten bei BBC und The Guardian wird erwartet, dass er auch bei seiner Ansprache vor dem malawischen Parlament die Abschaffung des Sodomieverbots fordern wird.
Der 26jährige Steven Monjeza und der/die 20jährige Tiwonge Chimbalanga wurden im Dezember 2009 nach einer traditionellen Verlobungsfeier verhaftet und waren seither in Haft. Tiwonge Chimblanga identifiziert sich laut Box Turtle Bulletin als weiblich und ist auf manchen Fotos mit Frauenkleidern und weiblichem Kopfschmuck abgebildet. Die Behörden und das Gericht behandeln Chimblanga als Mann. Ob Chimbalanga transsexuell ist oder für die Verlobungsfeier die weibliche Tracht nur gewählt hat, weil eine Verlobung zwischen zwei Männern ihm/ihr als unvorstellbar erschien, kann ich anhand der vorliegenden Medienberichte nicht beurteilen. Inwieweit unsere westlichen Kategorien "schwul" und "transsexuell" auf die Lebensrealität und die kulturelle Tradition in Afrika überhaupt anwendbar sind, ist auch unklar.
Die Verhaftung und Verurteilung der beiden wurde von zahlreichen Persönlichkeiten und Organisationen in aller Welt kritisiert. Unter anderem hatten das Weiße Haus, das deutsche Entwicklungsministerium und selbst Popstar Madonna eine Freilassung der beiden Männer gefordert. Amnesty International hat sie zu Gewissensgefangenen erklärt. Der deutsche Bundestagsabgeordnete und menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen Volker Beck forderte gestern, dass die deutsche Bundesregierung Monjeza und Chimbalanga Asyl in Deutschland aus humanitären Gründen anzubieten solle.
Links: http://www.boxturtlebulletin.com/2010/05/29/23118
http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/10190653.stm
http://www.nyasatimes.com/national/malawi-president-pardons-jailed-gay-couple.html
http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/africaandindianocean/malawi/7782886/Malawi-president-pardons-gay-couple-after-UN-pressure.html
http://www.queer.de/detail.php?article_id=12248
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/994109
http://www.lsvd.de/611+M52977460f8b.0.html