Durch ein Mail des Münchener Herbert Utz Verlages wurde ich auf ein Buch aufmerksam, das plangemäß Ende Juni herauskommen soll. Sein Arbeitstitel lautet "Schwule Priester überall" und es enthält die Erinnerungen eines schwulen Organisten, der in einer bayrischen Kleinstadt lebt. Der Autor möchte bis kurz vor der Veröffentlichung anonym bleiben.
Erste kurze Leseproben werden seit dem 21. Mai im Blog zum Buchprojekt veröffentlicht, wohl um Interesse zu wecken. Noch ist nicht ganz klar, ob es bei dem geplanten Buch nur eine mit Andeutungen gespickte Anekdotensammlung geht oder ob Autor und Verlag gewillt sind, sich auch kritisch mit dem Umgang der römisch-katholischen Kirche mit Homosexualität (und auch Heterosexualität!) auseinander zu setzen.
Angesichts der andauernden Diskussion über die in den letzten Monaten bekannt gewordenen Missbrauchsfälle und deren jahrelange Vertuschung besteht sicher Interesse an "Insiderwissen" und Enthüllungsbüchern. Es wäre schön, wenn dabei nicht nur die Sensationslust befriedigt würde und es wäre wichtig, zwischen einvernehmlichen Beziehungen unter Erwachsenen einerseits und dem Mißbrauch von Unmündigen oder Abhängigen andererseits klar zu trennen. Die Tatsache, dass aus römisch-katholischer Sicht auch einvernehmliche sexuelle Beziehungen unter Erwachsenen außerhalb der Ehe verboten sind, erleichtert diese Unterschiedung nicht gerade.
Da in den Leseproben auch das Stichwort "Mixa" gefallen ist: Die Züchtigung von Schutzbefohlenen ist rechtlich und moralisch vorwerfbar, sexueller Missbrauch wäre vorwerfbar (ist aber inzwischen entkräftet), aber aus der Tatsache, dass der Bischof auf (erwachsene!) junge Männer offenbar so attraktiv wirkt, dass sie sich darum gerissen haben, für ihn zu arbeiten, kann und darf man ihm keinen Strick drehen. Die Medienberichte der letzten Wochen ließen diesbezüglich einiges zu wünschen übrig.
Link: http://schwulepriester.blogspot.com/
Das stimmt und wird im Buch auch ein Thema sein.
Allerdings muss ich auch bestimmte Erwartungen dämpfen: "... sich auch kritisch mit dem Umgang der römisch-katholischen Kirche mit Homosexualität (und auch Heterosexualität!) auseinander zu setzen."
Diese Auseinandersetzung findet durchaus statt - aber aus der subjektiven Sicht des Autors. Das Buch ist keine wissenschaftliche Abhandlung und auch keine Streitschrift. Es sind Episoden aus dem Leben eines Schwulen, der die Nähe zur Kirche immer gesucht hat und dort immer wieder bittere Erfahrungen machen musste. Das Buch kann unterhalten und will zum Nachdenken anregen: Wer ein "De Profundibus" erwartet, wird aber enttäuscht werden, dafür hat sich der Autor (trotz allem) zu viel Humor bewahrt.
Und: Wir wollen niemanden persönlich treffen oder bloßstellen. Dafür sind die beschriebenen Täter zu oft Opfer eines sehr widersprüchlichen, teils inhumanen aber sehr mächtigen Wertesystems.
Insofern: Die Leseproben im Blog sind nicht untypisch. Den Vorwurf "Anekdotensammlung" halten wir - Autor und Verlag - notfalls gerne aus.
Herzliche Grüße aus München
Herbert