Mit "Mithly" wurde vorige Woche das erste schwullesbische Internet-Magazin Marokkos vorgestellt. Es wird in Rabat und Casablanca produziert und soll nach den Vorstellungen der Herausgeber monatlich erscheinen. Mithly bedeutet "gleich wie ich" und ist eine höfliche Umschreibung für homosexuell. Herausgebeben wird es von der LGBT-Gruppe Kif-Kif, deren Koordinator Samir Bargachi den sexuellen Minoritäten in Marokko damit ein Sprachrohr schaffen und den Dialog ermöglichen will - keine einfache Aufgabe in einem islamischen Staat, in dem homosexuelle Kontakte unter Strafe stehen.
"Bisher waren Berichte über Schwule und Lesben ein Monopol der
Mainstream-Medien, die uns meistens als Perverse und als Gefahr für die
Gesellschaft darstellen," erklärt der an dem Projekt beteiligte
Journalist Mourad. Dem will Mithly eine andere Sicht gegenüberstellen.
Die erste Nummer von Mithly ist im April gedruckt erschienen, über 200 Exemplare wurden binnen weniger Tage unter der Hand in der Szene verteilt. Die Folgenummern sollen online erscheinen und sind unter www.mithly.net und www.gaymaroc.ent abrufbar. Das spart nicht nur die hohen Druckkosten (die erste Nummer wurde Presseberichten zufolge von der EU unterstützt) und erleichtert die Distribution, es erspart den Herausgebern auch, sich um eine presserechtliche Genehmigung für Druck und Vertrieb zu bemühen, die sie höchstwahrscheinlich nicht erhalten würden.
Die erste Nummer wurde ohne solche Genehmigung verteilt, es ging darum, ein deutliches Zeichen zu setzen, erklärt Bargachi. Das Echo darauf war sehr positiv, sowohl in der lesbischwulen Community als auch bei solidarischen Heteros. Sowohl Marokkaner_innen als auch Ausländer_innen hätten sich zur Mitarbeit bereit erklärt und es gab zahlreiche Leser_innenbriefe, zeigt Bargachi sich erfreut.
Kritik kommt, wie zu erwarten, von der islamistischen Partei, die das Blatt verbieten lassen will, weil es "die islamischen Werte der marokkanischen Gesellschaft verletzt", wie der Herausgeber der konservativen marokkanischen Zeitung Attajdid dem belgischen "Le Soir" gegenüber erklärte. Verantwortliche des nationalen Presserats waren für die Agentur AFP nicht zu einer Stellungnahme über das neue Online-Magazin bereit.
Die erste Nummer von Mithly beschäftigte sich unter anderem mit dem bevorstehenden Besuch von Elton John, der beim Kulturfestival Mawazine in Rabat auftreten soll. Vertreter der islamischen Partei hatten behauptet, Elton Johns Anwesenheit würde die Verbreitung von Homosexualität in Marokko fördern und die Absage des Konzerts gefordert. Dem widersetzten sich die Festivalveranstalter: "Wir können nicht das Konzert des Künstlers wegen seiner Homosexualität absagen, ohne seine Privatsphäre zu verletzen und bestimmte grundsätzliche Werte des internationalen Festivals Mawazine zu erschüttern," sagt der künstlerische Leiter des Festivals, Aziz Daki.
Homosexuelle Akte sind in Marokko laut § 489 des Strafgesetzbuchs verboten und mit Gefängnis von sechs Monaten bis zu drei Jahren bedroht. Laut Auskunft der LGBT-Organisation Kif-Kif sind seit der Unabhängigkeit Marokkos 1956 rund 5000 schwule Männer zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. In den letzten Jahren wenden die Behörden das Strafgesetz nicht mehr so streng an, berichtet ein Redakteur von Mithly, dafür hat andererseits die Homophobie in der Öffentlichkeit zugenommen.
Samir Bargachi ist auch der Gründer der einzigen LGBT-Gruppe Marokkos Kif-Kif. Die Idee dazu entstand 2004, als die Polizei bei einer Geburtstagsparty in Titouane 42 schwule Männer verhaftete, in der Folge Studenten von der Uni ausgeschlossen und Jugendliche von ihren Eltern vor die Tür gesetzt wurden und die Menschenrechtsgruppen zu dem allen schwiegen. Eine Gruppe von Freunden entwickelte damals einen Plan, um den betroffenen Jugendlichen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu helfen. Daraus entstand ein Jahr später Kif-Kif, das allerdings noch immer nicht behördlich anerkannt ist.
Schon seit 2007 erscheint in Jordanien das von der Frauen/Lesben/Transgendergruppe Meem herausgegebene dreisprachige Online-Magazin Bekhsoos.
Links: http://www.mithly.net/home.html (Arabisch)
http://www.gaymaroc.net/fr/ (Arabisch, Französisch, Spanisch)
http://www.lesbiennesdumaroc.com/index.php (Französisch, Arabisch)
http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5ixHh38IJxbT9IWqgoCQDVtLxF_0g
http://www.baywindows.com/index.php?ch=news&sc=glbt&sc2=news&sc3=&id=104703
http://www.menassat.com/?q=en/news-articles/7411-morocco-new-magazine-braves-risks-give-voice-arab-homosexuals
http://joemygod.blogspot.com/2010/04/mithly-magazine-for-gay-arabs.html
http://en.afrik.com/article17354.html
http://en.afrik.com/article17565.html
http://www.lesoir.be/culture/airs_du_temps/2010-04-15/mithly-la-voix-du-gay-maroc-764483.php
http://latimesblogs.latimes.com/babylonbeyond/2010/04/morocco-draft-new-magazine-gives-voice-to-arab-homosexuals-.html
http://sdgln.com/news/2010/05/04/moroccan-faces-heat-publishing-first-gay-magazine-arab-world
http://www.mawazine.ma/
http://nachrichten.marweb.com/marokko/gesellschaft/elton-festival-mawazine.html
http://www.bekhsoos.com/web/