Wednesday, 12. May 2010
Politische Folgen der Callboy-Affäre in Florida
McCollum hatte 2007 in einem Gerichtsverfahren um das Adoptionsverbot für Schwule und Lesben in Florida George Rekers als Sachverständigen für die Regierung beauftragt. Er war schon im Dezember 2008 deswegen kritisiert worden, insbesondere wegen der hohen Kosten von über 87.000 USD für ein Gutachten, das die Richterin Cindy Lederman als eine "keineswegs neutrale und unvoreingenommene Wiedergabe der wissenschaftlichen Fakten" und als "von den festen ideologischen und theologischen Überzeugungen" Rekers geprägt bezeichnete und das sie daher als ungeeignet erachtete. Eine Sprecherin des Attorney General, dessen Posten etwa dem eines hohen Beamten im Justizministerium entspricht, der den Staat in Gerichtsverfahren vertritt, erklärte damals, dass die Bestellung auf Wunsch des DCF (Department for Children and Families) erfolgt sei.
Nachdem Anfang voriger Woche in der Miami New Times der Bericht über George Rekers und dessen jungen Reisebegleiter erschienen war, versuchte Bill McCollum erneut, sich von der seinerzeitigen Bestellung Rekers zu distanzieren. Nun sind aber Briefe aus dem Jahr 2007 aufgetaucht, aus denen hervorgeht, dass es McCollum war, der die Bedenken des DCF wegen der hohen Kosten zerstreute und Rekers als hervorragenden Experten pries. Aus einem Nebensatz geht der wahrscheinlichere Grund hervor, warum Rekers ausgewählt wurde:
Our attorneys handling this case have searched long and hard for other expert witnesses with comparable expertise to Dr. Rekers and have been unable to identify any who would be available for this case.
Das könnte auch daran liegen, dass sich Experten oder Expertinnen, die bezeugen, dass Schwule und Lesben als Adoptiveltern per se ungeeignet sind, heute nur mehr schwer finden lassen, wie auch der Vertreter der ACLU Florida, die Kläger Gill in dem Verfahren unterstützte, zugab:
From the outset, the state was in a weird position. It only got more complicated when they tried to find experts. They were looking for serious scientists. They were told no serious scientists would testify on their behalf.
Bill McCullum, der im Vorjahr seine Kandidatur als Gouverneur von Florida bekannt gegeben hatte, wird nun nicht nur via Facebook und Twitter von verärgerten Bürgerinnen und Bürgern bombadiert. Die lesbischwulen Demokrat_innen (Florida GLBT Democratic Caucus) haben ihn gestern offiziell aufgefordert, den Steuerzahler_innen Floridas die 120.000 Dollar zurück zu zahlen, die für das "Schwindelgutachten" bezahlt worden sind.
Links: http://floridaglbtdemocrats.org/pr20100511.html Presseaussendung des Florida GLBT Democtratic Caucus
http://fltrib.com/articles/mccollum-urged-hiring-anti-gay-activist-center-scandal
http://joemygod.blogspot.com/2010/05/floridas-gay-dem-caucus-to-mccollum.html Joe.My.God hat das Facsimile des Briefs von 2007
http://www.miamiherald.com/2010/05/11/1623961/bill-mccullom-requested-hiring.html#ixzz0neIIyfqV
http://miamiherald.typepad.com/nakedpolitics/2010/05/mccollum-says-he-wish-he-had-never-hired-antigay-leader-now-rentboy-escort.html
http://joemygod.blogspot.com/2010/05/fl-attorney-general-bill-mccollum-i.html
http://www.boxturtlebulletin.com/2010/05/11/22527 Political fallout from Rekers' rentboy exposure
http://www.orlandoweekly.com/news/story.asp?id=12830 Florida's Case Against Gay Adoption, Orlando Weekly vom 18.12.2008.
http://www.aclufl.org/adoption/gill.cfm Hier sind die juristischen Schriftstücke und Hintergrundinformationen zum Gerichtsverfahren zwischen Martin Gill und der Adoptionsbehörde Floridas gesammelt.
http://en.wikipedia.org/wiki/Bill_mccollum


