Unter den Opfern des Flugzeugabsturzes bei der russischen Stadt Smolensk befindet sich mit Izabela Jaruga-Nowacka auch eine der wenigen Politiker_innen Polens, die sich in der Vergangenheit für die Rechte von Schwulen und Lesben eingesetzt haben, berichtet Queer.de. Die 59-jährige Politikerin des Bündnisses der Demokratischen Linken hatte unter anderem 2005 an dem verbotenen CSD in Warschau teilgenommen und Treffen von ihrer Partei mit Homo-Aktivisten veranstaltet, die in einem Gesetzentwurf für eine Homo-Ehe mündeten. Die stellvertretende Premierministerin unter Marek Belka hinterlässt einen Mann und zwei Kinder.
Beim Absturz der Tupolew-154 am Samstag waren neben Staatschef Lech Kaczynski alle anderen 96 Insassen ums Leben gekommen. An Bord befanden sich u.a. auch noch der polnische Generalstabschef Franciszek Gagor, Nationalbankchef Slawomir Skrzypek, Vize-Außenminister Andrzej Kremer sowie zahlreiche Parlamentarier_innen, nahezu die gesamte Führung der polnischen Armee und eine Gruppe von Historiker_innen. Die Delegation wollte an einer Gedenkfeier in Katyn teilnehmen, wo sowjetische Einheiten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs etwa 22.000 Polen ermordet und verscharrt hatten.
Als Absturzursache wird ein Fehler des Piloten angenommen. Bei Smolensk herrschte dichter Neben und ein Fluglotse soll ihm Medienberichten zufolge geraten haben, auf den Flughafen von Minsk auszuweichen.
Lech Kasczynski und sein Zwillingsbruder Jaroslaw galten als zwei der wichtigsten Gegner von LGBT-Rechten in Europa. Als Bürgermeister von Warschau hatte Lech zweimal hintereinander den CSD verboten, wofür Polen später vom EGMR verurteilt wurde. 2005 sagte er in einem Radiointerview, er habe die Demonstration verboten, weil er "gegen die Propagierung homosexueller Orientierung" sei, ein CSD stelle eine "Gefahr für die öffentliche Moral" dar und sei "sexuell obszön". Er erkannte offenbar keinen Widerspruch zwischen der Aussage: "Ich glaube nicht, dass Homosexuelle diskriminiert werden sollten" (in einem Interview 2007) und es sei für ihn "unvorstellbar", dass Homosexuellen einmal die gleichen Rechte gewährt werden solle wie Heterosexuellen (2006).
In einem Interview mit der Zeitung "Welt am Sonntag" verteidigte er seine Haltung: "Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, in der 50 Prozent der Männer kein Interesse an Frauen mehr haben, das wäre eine andere Welt, und das wäre gefährlich, vom biologischen Standpunkt ebenso wie vom kulturellen." Lech Kaszynski befürchtete, dass Homo-Aktivisten mit dem Ansinnen, "Homosexualität auszubreiten", die Menschheit zum "Aussterben" verurteilten. Bei einem Großbritannien-Besuch warnte er erneut vor einem Ausbreiten einer "schwulen Kultur", die zum Aussterben von Heterosexualität führe.
Die Amtsgeschäfte des Staatspräsidenten werden nach dem Unfalltod Lech Kaszynskis interimistisch von Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski geführt, der gemäß der Verfassung binnen 14 Tagen Neuwahlen ausrufen wird. Unter den Opfern des Flugzeugabsturzes befand sich laut einer Meldung der BBC übrigens auch Anna Walentynowicz, die frühere Kranfahrerin und Gewerkschafterin, deren Entlassung aus der Werft in Danzig 1980 jene Streiks ausgelöst hatte, die in der Gründung der Solidarność mündeten.
Links: http://www.queer.de/detail.php?article_id=12012
http://news.bbc.co.uk/2/hi/in_depth/8612825.stm
http://news.bbc.co.uk/2/hi/europe/8613395.stm
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