Interessante Thesen gab der dritte Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Rudolf Gehring, im Interview für die am Donnerstag erscheindende Ausgabe der Tageszeitung "Der Standard" zum Besten. "Homosexualität ist eine Verirrung", gibt er sich überzeugt. "Da Home-Ehe oder Adoptionsrecht abzuleiten, das passt nicht."
Gehring zeigt sich aber immerhin verständnisvoll: "Ich habe vor jedem, der sich homosexuell fühlt, Respekt", sagt er, eine Ausdrucksweise, die darauf hindeutet, dass er die sexuelle Orientierung für bloß vorgestellt hält. "Erfahrungsgemäß fühlen sich diese Menschen selbst nicht sehr wohl", glaubt der Kandidat für das höchste Amt des Staates zu wissen. Hier frage ich mich, aus wessen Erfahrung er spricht. Unglücklich verirrten Lesben und Schwulen kann Gehring eine Lösung anbieten: "Im Glauben gibt es einen Weg, wo sie zurückfinden können."
Aber auch zu anderen Themen liefert Gehring zweifelhafte Vorschläge: Schwangerschaftsabbrüche sollen wieder strafbar werden, außer in Einzelfällen, wo es nach genauer Prüfung vielleicht Entschuldigungsgründe gibt. Kinder sollen nicht in Krippen, denn zig Studien von Gehirnforschern hätten bewiesen, dass Kindergrippen dem Gehirn schaden. Müttern, Vätern und allen die daheim Angehörige pflegen, will er ein Gehalt geben. Das ist seiner Rechnung nach billiger als Kindergärten, Ganztagsschulen und Pflegeheime. Bezahlen soll das "der Steuerzahler". Wieviele Steuerzahler nach Abzug der Mütter, Väter und pflegenden Angehörigen noch übrig bleiben und um wieviel Prozent man deren Steuersatz erhöhen muss, verrät er nicht.
Zwingende Logik prägt auch Gehrings Verhältnis zu Religion und Politik. So sagt er zu Beginn des Interviews: "Ich halte meinen Glauben ja von der Politik strikt getrennt" und gegen Ende, befragt, ob er als Wahlsieger in der Hofburg ein Kruzifix aufhängen würde: "Nicht nur eines. Viele - am besten in jedem Raum eines." Quelle: Der Standard vom 1. April 2010.
Links: http://derstandard.at/1269448637204/Homosexualitaet-ist-eine-Verirrung
http://www.rudolf-gehring.at/
http://www.christlicheparteioesterreichs.at/