Als "Hobbyvereine", die "nett" sind, aber für die sie kein Steuergeld ausgeben will, bezeichnete die Tiroler Landesrätin Zoller-Frischauf jene kritischen Frauenorganisationen, denen sie die Förderung gestrichen hat. Empört sind nicht nur die Mitarbeiterinnen dieser Vereine, die seit Jahren ehrenamtlich für Frauen, Lesben, Mädchen arbeiten. Auf
www.diestandard.at gibt es zwei Protstebriefe zum Downlaod.
SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm wies gestern in einer Presseaussendung darauf hin, dass die betroffenen Organisationen seit Jahrzehnten von ÖVP-Politiker_innen unterstützt wurden, unter anderem von dem langjährigen ÖVP-Landesrat und Landtagspräsidenten Helmut Mader, auf dessen Initiative auch das Frauenreferat des Landes Tirol, gegründet wurde, jene Organisation, der Zoller-Frischauf vorsteht, und deren einzige Aufgabe die Politik für und damit die Förderung von Frauen ist.
Zoller-Frischauf scheint Frauenförderung sehr eng zu verstehen, Projekte zur beruflichen Qualifikation will sie weiter fördern, Kultur, Bildung, kritische Auseinandersetzung mit Politik und Wirtschaft sind in ihren Augen nicht fördernswert. Auch die jahrzehntelange Beratungstätigkeit des Autonomen FrauenLesben-Zentrums Innsbruck wird von ihr höhnisch abgewertet, weil es dort keinen Psychologen (!) gebe: "Es gibt weder eine Rechtsberatung noch einen Psychologen. Die Leute geben sich gegenseitig Tipps und machen Partys." Diese Abqualifikation ehrenamtlicher Arbeit von Selbsthilfe-Gruppen geht weit über die Streichung von Subventionen für drei Vereine hinaus und stellt jede Initiative in Frage, deren Kompetenz sich aus persönlicher Betroffenheit und intensiver Beschäftigung mit einem Thema ergibt. Sie ist außerdem ein Zeichen von Unwissenheit über feministische Selbstorganisation, das schon ziemlich an Ignoranz grenzt.
"Toleranz und Meinungsvielfalt sind Teil unserer politischen Kultur und eine Bereicherung unserer Gesellschaft, das haben ihre VorgängerInnen bewiesen und erkannt, das erwarten wir uns auch von LR Zoller-Frischauf", so Wurm. Der jahre- und jahrzehntelange Einsatz der Fraueneinrichtungen (FrauenLesbenZentrum: 26 Jahre; ArchFem: 17 Jahre; kinovi[sie]on: 5 Jahre) für eine emanzipatorische Gesellschaftsveränderung jenseits eines traditionellen Frauenbildes muss in Tirol auch weiterhin einen Platz haben. Selbst unter einem früheren Landeshauptmann Wallnöfer gab es für die HOSI Tirol den Preis für die mutigste Initiative, so Wurm.
Als "demokratiepolitisch sehr bedenklich", bezeichnete Wurm die Verweigerung von Zoller-Frischauf ihre Förderprinzipien und die Vergabe öffentlicher Gelder zu veröffentlichen, mit dem Argument des Datenschutzes. "Sie arbeitet hier mit Steuergeldern und die Steuerzahlerinnen haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie die Gelder verwendet werden", so Wurm abschließend.
Die Frauen von ArchFem, kinovi[sie]on und dem Autonomen FrauenLesbenZentrum fordern den Rücktritt von Landesrätin Zoller-Frischauf - Offener Brief zum Download in dieStandard.at. Außerdem gibt es dort einen Offenen Brief an Frauenministerin Heinisch-Hosek, in dem die Demonstrant_innen und Unterstützer_innen die Frauenministerin auffordern, Schritte gegen die Sparmaßnahmen zu ergreifen. Quellen: dieStandard.at und Presseaussendung der SPÖ vom 25. März 2010
Links: http://diestandard.at/1269448115907/Tirol-Dafuer-gibts-kein-Steuergeld
http://www.ots.at/presseaussendung.php?mabo=1&schluessel=OTS_20100325_OTS020
http://www.frauenlesbenzentrum.at/
http://www.archfem.at/
http://www.kinovisieon.at/
http://diestandard.at/1269045582990/Tirol-Finanzieller-Kahlschlag-bei-Fraueneinrichtungen
http://diestandard.at/1241622621950/Tiroler-Verhaeltnisse