In einem berührenden Aufruf nimmt der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Bischof Desmond Tutu zur aktuellen Menschenrechtslage von Schwulen und Lesben in Teilen Afrikas Stellung. "Hass hat keinen Platz im Haus Gottes. Niemand sollte aus unserer Liebe, unserem Mitgefühl, unserer Anteilnahme wegen Rasse, Geschlecht, Glauben, Ethnizität oder sexueller Orientierung ausgeschlossen sein. Es sollte auch niemand deshalb von adäquater medizinischer Versorgung ausgeschlossen sein."
Bischof Tutu erinnert an das Apartheidregime, dessen Unrecht der Bevölkerung bewusst war und daran, dass die Welt die Bevölkerung Südafrikas in ihrem Kampf um Freiheit und Würde solidarisch unterstützt hat. Heute ist gemeinsamer Kampf gegen ein anderes Unrecht nötig.
"Schwule, lesbische, bisexuelle und Transgender Menschen sind Teil vieler Familien. Sie sind Teil der Menschheitsfamilie. Sie sind Teil von Gottes Familie. Und sie sind natürlich Teil der afrikanischen Familie." Tutu weist auf den Missbrauch hin, den Schwule und Lesben in vielen afrikanischen Ländern erleben. Sie leben in Angst und oft ohne medizinische Versorgung. Dass sie auch im Namen Gottes zu Sündenböcken gemacht werden, sieht der Bischof als noch schlimmer an, als die Denunziation durch Politiker. Er fordert auf: "Zeig mir, wo Christus sagt 'Liebe deinen Nächsten, außer die Schwulen'." "Auch homosexuelle Menschen sind nach dem Abbild Gottes geschaffen. Zu einem homophoben Gott würde ich nie beten."
Den Einwand, dass Schwule und Lesben Sünder sind, lässt Desmond Tutu nicht gelten. "Die Wissenschaftler und Ärzte unter meinen Freunden haben mir erklärt, was so viele homosexuelle Menschen bestätigen, und wovon ich in meinem Herzen weiß, dass es wahr ist. Niemand sucht sich aus, homosexuell zu sein. Sexuelle Orientierung ist wie die Hautfarbe ein Zeichen der Vielfalt. Ist es nicht erstaunlich, dass wir alle nach Gottes Bild geschaffen sind und dennoch so verschieden sind?"
Er ruft Politiker wie Geistliche auf, sich dafür einzusetzen, dass die Welle des Hasses beendet wird, denn Ausschluss führt auf dem gemeinsamen Weg zu Freiheit und Gerechtigkeit nicht weiter. Quelle: Washington Post vom 12. März 2010
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