Friday, 26. February 2010
FPÖ-nahe Website wettert gegen Schwule
"Muss die sexuelle Orientierung überall Thema sein?" fragt der Autor und übersieht dabei anscheinend, dass unzensuriert.at selbst monatlich zwei bis drei Artikel über Schwule und Lesben bringt, mehr als manches Szenemedium ... Die Angst vor ein wenig Diversität dürfte beim Autor recht stark ausgeprägt sein, formuliert er doch "Allerorten schießen Homovereinigungen aus dem Boden. Zum Beispiel kroch in Wien unlängst ein Großteil der Wirtschaftskammer-Fraktionen bei agpro (austrian gay professionals) zu Kreuze, um einen Beitrag zur Diskussion "Gay, Lesbian, Bisexual an Transgender in der Wirtschaftskammer" zu leisten. Als wäre es dem Bürger nicht egal, ob er seine Wurstsemmel oder sein Auto bei einer Lesbe kauft oder nicht! Homosexuelle, hat man den Eindruck, wollen sich mit allen Mitteln in den Vordergrund drängen: Wirtschaftsverbände, Sportverbände, Referate an Universitäten und wer weiß, vielleicht kommt auch noch die Schwulen-und-Lesben-Schülervertretung."
Nun, die agpro gibt es seit 1998. Spätestens seit 2001, als sie anlässlich von Europride eine riesige Regenbogenfahne am Donauturm anbringen ließ, dürfte sie weiteren Kreisen bekannt sein und im September 2008 feierte die agpro im Parlament ihr 10jähriges Bestehen. Die Homo- oder Les-bi-schwul-trans-Referate an den Unis existieren großteils auch schon seit den 1990er-Jahren, ebenso schwule und lesbische Sportvereine, das "aus dem Boden schießen" passiert also nur in der Phantasie des Autors, der offenbar Argumente sucht, warum die Mehrheit von der Minderheit bedroht ist.
Der Wiener Gemeinderat Marco Schreuder, Sprecher der Grünen Andersrum, kann bei dieser Polemik nur mehr den Kopf schütteln: "Gerade agpro hat viel zu einem gesellschaftspolitisch offenerem Klima in der Wirtschaft beigetragen." Für ihn ist der Beitrag eine "unentschuldbare homophobe Entgleisung": "Diese Äußerungen, beworben im Newsletter von Martin Graf, sind mit dem Amt des dritten Nationalratspräsidenten unvereinbar. Das Büro des Nationalratspräsidenten Graf negiert somit nicht nur das Problem Homophobie in der Gesellschaft, sondern erklärt Lesben und Schwule selbst zum Problem der Gesellschaft. Dieser Täter-Opfer-Umkehr ist abscheulich, gemeingefährlich und stellt alle Bemühungen der letzten Jahrzehnte, für ein respektvolles Miteinander und für mehr Aufklärung zu sorgen, in Frage", so Schreuder, der Grafs Rücktritt fordert.
Auf ein komisches Element im Zusammenhang mit dem höhnischen und Lesben und Schwule abwertenden Artikel weist Blogger Oliver Ritter hin: Dank Google Adsense findet sich auf der "Unzensuriert" Werbung für schwule Bücher. Auch Werbung für Gay-Chats und Datings habe ich schon gesehen.
Die Website Webseite "Unzensuriert" wird von dem "Verein zur Förderung der Medienvielfalt" betrieben, im Impressum wird Martin Graf als Autor/Gastkommentator neben weiteren FP-Politikern wie Walter Rosenkranz genannt. Der Obmann des Vereins ist der Büroleiter von Martin Graf Walter Asperl, sein Stellvertreter der Pressesprecher von Martin Graf Alexander Höferl. Im Newsletter des Dritten Nationalratspräsidenten Graf wird auf den Artikel verwiesen.
Links: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100225_OTS0286/korrektur-gruene-wienschreuder-unentschuldbare-homophobe-entgleisung-aus-dem-buero-des-dritten-nationalratspraesidenten
http://www.ggg.at/index.php?id=62&tx_ttnews[tt_news]=2884&cHash=90809df4f6ddd858d5bd8fd0003df702
http://diestandard.at/1266541483159/Gruener-Vorwurf-FP-nahe-Webseite-wettert-online-gegen-Homos
http://www.unzensuriert.at/content/00602-pride-house-im-olympischen-dorf-wo-m-nner-z-rtlich-zueinander-sind
http://www.thinkoutsideyourbox.net/?p=10424
http://www.agpro.at
http://andersrum.gruene.at
http://www.marco-schreuder.at


