Sunday, 14. February 2010
Philipp Gut und der General
Nef hatte im Sommer 2008, rund ein halbes Jahr nach seinem Dienstantritt, im Einvernehmen mit dem Dienstgeber auf seine Position verzichtet. Grund für den Rücktritt war, dass Stalkingvorwürfe seiner ex-Freundin bekannt wurden, die unter anderem auch Gegenstand eines 2007 eingestellten Strafverfahrens waren. Die ex-Freundin erhielt eine finanzielle Wiedergutmachung, über deren Höhe in den Medien aktuell spekuliert wird und hat sich nicht mehr öffentlich zu dem Fall geäußert, Nef selbst stellte sich vor kurzem einem ausführlichen Fernsehinterview. Schweigen wäre besser gewesen, meinen die meisten Kommentatoren. Wie auch immer, durch das Interview und die Zeitungsberichte darüber, wird wieder über den Fall Nef diskutiert.
Gut stürzt sich nun in seinem Kommentar in der Weltwoche auf eine seiner Meinung nach interessante Facette des Falls: Nach Darstellung seiner ex-Freundin hatte Nef eine homoerotische Beziehung zu einem Kameraden. "Offensichtlich aber versuchte Nef, seine Homosexualität zu unterdrücken. Dieser Umstand führte zur Eskalation und zu jenen Belästigungen und Schikanen, über die Nef nach Publikwerden der Affäre schliesslich stolperte" schreibt Gut und diskutiert dann, ob es "tatsächlich egal [sei], wenn Vorgesetzte und Generäle schwul sind, ob "homosexuelle Heerführer die Truppen ohne Gefährdung ihres Ansehens und ihrer Autorität führen" können und ob "die Homosexualität in einer naturgemäss tief vermännlichten Organisation nicht [doch] ein Problem" darstellt, kurz: "Dürfen Armeechefs schwul sein?"
Dass Philipp Gut sich von einer rosa Übermacht umzingelt fühlt, wissen wir seit seinem vielfach zitierten Kommentar nach der Europride in Zürich. Bei der Diskussion um "schwule Generäle" erwähnt er alte Griechen, Prinz Eugen von Savoyen und die aktuelle Diskussion um die Abschaffung von Don't Ask, Don't Tell in den USA und, dass Diversity Management in der Schweizer Armee seit Jänner 2009 Pflicht ist. Dass Schwule und Lesben bereits in vielen Armeen, darunter jenen Kanadas, Großbritanniens, Australiens und Israels, in allen Diensträngen offen dienen dürfen, verschweigt er. Wahrscheinlich passt das nicht zu seinem Bild vom Federboa tragenden und mit rosa Wattebällchen werfenden Schwulen.
Der Vorsitzende der QueerOfficers, Beat Steinmann, nimmt in einem Leserkommentar zu Guts Vorwurf Stellung, nicht einmal die QueerOfficers hätten sich zum Fall Nef und zur "Problematik eines schwulen Generals" geäußert:
Oft ist es intelligenter Herr Gut, nichts zu sagen. Die QueerOfficers drücken sich nicht um Stellungnahmen, ganz im Gegenteil. Zum Fall Nef gibt es aus unserer Optik aber schlicht nichts WERTBRINGENDES zu sagen.
Ob ein General oder Korporal seine Funktion gut erfüllt, hat mit seiner sexuellen Ausrichtung nichts zu tun H. Bühler, auch Sie lernen das vielleicht einmal.
Der CdA hat die Notwendigkeit des Diversity Managements vorbildlich erkannt. Im Umgang mit Schwulen ist die CH-Armee den USA Meilen voraus.
Präsident QOf
Quelle: Weltwoche vom 10. Februar 2010
Links: http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-06/artikel-2010-06-kommentar-schwule-generaele.html
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Rechthaberisch-uneinsichtig-tragisch/story/27781526
http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/roland_nef_tele_zueri_1.4759253.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/nef_fall_1.4562466.html
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Wie-viel-Roland-Nef-seiner-ExFreundin-zahlte/story/20176500
http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-27/artikel-2009-27-handschellen-in-rosarot.html
http://www.queer-officers.ch/
- Verbot der Ehe zwischen Männern oder Frauen so absurd wie das Verbot der Ehe zwischen Weißen und Schwarzen
- Weiterhin keine Adoption für eingetragene Partner_innen in der Schweiz
- Schweiz: Weiterhin keine Stiefkindadoption
- Da schießt der Vogel denselben ab
- Homos am Hindukusch - Ein Kommentar zur Abschaffung der DADT-Regelung


