"Schwul, kaufkräftig, Penthousebewohner" betitelt das Wirtschaftsblatt einen Bericht über die Vorstellung einer Marktstudie von Marketagent.com, Pink Marketing und FindMyHome.at. Die 348.000 schwulen Männer Österreichs hätten eine Kaufkraft von 17 Mrd Euro, mehr als 6% des Bruttoinlandsproduktes, sie hätten als Paare zwei Einkommen, aber keine Kinder und träumten von einer Eigentumswohnung.
57,3% hätten gerne eine Eigentumswohnung aber nur 18,5% haben eine. 56,5 Prozent der befragten schwulen Männer leben in einer Mietwohnung. Ein Haus bewohnen hingegen nur 2,4 Prozent der Schwulen, kein Wunder, wollen die meisten doch innerstädtisch leben, und Häuser mit Garten in Mariahilf oder Margareten sind eher schwer zu haben.
Verglichen werden die Kaufgewohnheiten und Wünsche von Schwulen mit jenen von heterosexuellen Männern, beide in Paarbeziehungen, Kinder haben in dem Szenario aber nur die Heteromänner. Dass zu einer Heterofamilie auch Frauen gehören, wird in der Studie (oder im Bericht darüber?) ausgeblendet. So geben schwule Männer mehr Geld für Einrichtung aus: 1844,81 Euro - im Vergleich zu 1054,90 Euro bei den heterosexuellen Männern. Auch gaben 43,5 Prozent der Befragten an, ihre Möbel in Designerläden zu kaufen - das ist nur für 13,3 Prozent der Heterosexuellen ein Thema. Kein Wunder, ist die Ausgestaltung der Wohnung in vielen Familien doch Frauensache.
Ausgeblendet wird aber auch alles, was nicht ins DINKs im Penthouse Schema passt: dass unter angenommenen 348.000 Schwulen Österreichs (knapp 10% der männlichen Gesamtbevölkerung) ein hoher Anteil an nicht geouteten Männern ist, die zum Teil mit Frau und Kind(ern) leben, dass auch von den geouteten Schwulen viele nicht mit einem Partner im dauerhaft gemeinsamen Haushalt leben, manche Kinder haben, sei es aus früheren Heterobeziehungen oder sei es durch Pflegeelternschaft, Adoption oder persönliche Arrangements mit kooperativen Frauen/Lesben. Diese Kinder leben zum Teil mit den Vätern im gemeinsamen Haushalt, zum Teil kommen sie nur auf Besuch und zu einem Teil bestehen nur Unterhaltspflichten. Die Finanzsituation der Väter beeinflussen sie in jedem Fall. Nicht zuletzt bleibt unberücksichtigt, dass Homosexualität in vielen Branchen nach wie vor als Karrierehindernis gilt und schwule Spitzenmanager hierzulande noch eine Rarität sind. Die Hauptursache der höheren Kaufkraft schwuler Paare wird nicht erwähnt, nämlich die Lohnschere zwischen Männer- und Frauengehältern.
Marketagent.com ist ein Markt- und Meinungsforschungsinstitut, das (nach Eigenbeschreibung) 600 Online-Studien im Jahr durchführt. Pink Marketing betreibt Zielgruppenmarketing für Schwule, gibt eine Anzahl von Gay City Guides heraus und hat schon in den frühen 1990er Jahren begonnen, an Schwule gerichtete Web-Portale zu betreiben. FindMyHome.at betreibt ein Internetportal, in dem Immobilienanbieter_innen und Wohnungssuchende inserieren können.
Links: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/oesterreich/branchen/405217/index.do
http://www.marketagent.com
http://www.pinkmarketing.at
http://www.findmyhome.at