Angeregt durch einen Ende Oktober in L'Orient le Jour erschienenen Artikel mit dem Titel
"Les Pink Dollars, ou les tendences de la consommation gay" schreibt nadz in
Bekhsoos über die Möglichkeiten, lesbischwules Geld gezielt einzusetzen.
Homosexuelle gelten als ausgehfreudig und markenbewusst. Sie bestellen teurere Weine und geben mehr Trinkgeld als ihre heterosexuellen Zeitgenoss_innen. Da sie keine Kinder haben, können sie mehr Geld für Reisen, Ausgehen und Luxus ausgeben. Da ihnen ihr Aussehen wichtig ist, lassen sie es sich etwas kosten. Soweit die Klischees, die im Libanon nicht anders lauten als hierzulande.
Die von Marketingleuten gerne verbreiteten These von den wohlhabenden DINKs trifft auch in Beirut nur auf eine kleine Gruppe innerhalb der vielfältigen LGBT Community zu. Aber auch wenn eine studierende Lesbe oder eine transsexuelle Arbeiterin über weit weniger Geld verfügen als ein reicher Schwuler oder ein bisexueller mittelständischer Unternehmer, sollte man die Macht der queeren Kaufkraft - der purple Lira - nicht unterschätzen, meint nadz. Die Frage sei nicht, ob Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender mehr Geld ausgeben können als Heterosexuelle, sondern wofür sie es ausgeben:
Geht das Geld an homophobe Barbesitzer? Geht es an Cafés, die von Kollektiven betrieben werden? An Konzerne ohne soziale Verantwortung? Oder an Lokale, die Transgender nicht einlassen? Sind die Lokale auch für Jugendliche unter 18 geeignet? Sind die Veranstaltungen lesbenfreundlich? Ist das Unternehmen umweltbewusst? Geht es um mehr und anderes als Parties, Drinken und Rauchen? Solange Kaufentscheidungen nicht bewusst getroffen werden, trägt Geldausgeben nur zur Festigung des Klischees vom wohlhabenden schwulen Gourmet bei. Quelle: Bekhsoos vom 1. November 2009
Bekhsoos ist das Online-Magazin von Meem, einer queer-feministischen Gruppe im Libanon. Es erscheint seit September 2008 zunächst vierteljährlich und jetzt wöchentlich auf arabisch und englisch.
Links: http://www.bekhsoos.com/web/2009/11/pink-dollar-vs-purple-lira/
http://www.lorientlejour.com/article/635896/Les_Pink_Dollars,_ou_les_tendances_de_la_consommation_gay.html (leider nur mehr übers kostenpflichtige Archiv zu haben)
http://www.meemgroup.org/
http://helem.net/